Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat „blaue Briefe“ verschickt, so wie es die Schule an die Adresse versetzungsgefährdeter Kinder zu tun pflegt. Nur, in den Briefen des DFB werden nicht Leistungen bemängelt, sondern Finanzen. Die Warnung ist indes die gleiche: Wenn nicht noch Entscheidendes passiert, sei zu befürchten, daß das Klassenziel verpaßt wird.

Auf den bezahlten deutschen Fußball bezogen (1. und 2. Bundesliga) heißt dies, daß acht Vereine befürchten müssen, für die kommende Saison ihre Lizenz zu verlieren. Darunter die beiden Erstliga-Klubs Werder Bremen und FC St. Pauli.

Tatsächlich haben alle vom Bundesliga-Ausschuß (Vorsitzender Wilhelm Neudecker) angeschriebenen Vereine nicht unerhebliche Schulden. Und zweifellos hat der DFB als Dachverband des deutschen Fußballs das Recht, seinen Klubs in die Bücher und den Vereins-Vorsitzenden auf die Finger zu sehen. Denn die inflationistische Tendenz im Spielertransfer des bezahlten deutschen Fußballs ist kaum zu übersehen.

Immer häufiger rutschen die Vereine mit Lizenzspieler-Abteilungen ins Defizit, weil an der Fußballbörse die Spieler „mit Namen“ zu immer höheren Kursen gehandelt werden. Die Vereins-Bosse, die ihre Spieler andererseits meistbietend verkaufen möchten, liefern selbst einen fatalen Beitrag zu dieser Preistreiberei. Und immerhin war ja auch die Bestechungsaffäre im leidigen „Bundesliga-Skandal“ auf dem Mist jener Vereinsvorstände gewachsen, die aus falsch verstandener Vereinstreue eine Dunkelmänner-Taktik betrieben.

Der DFB muß also Wert darauf legen, daß der „Schuß vor den Bug“ (Neudecker), mit dem man die betreffenden Klubs warnen will, nicht von vornherein nur als taktisches Manöver entlarvt wird. Um so bedenklicher ist die Entscheidung des Liga-Ausschusses, dem FC St. Pauli, kaum daß dieser Verein den Aufstieg in die 1. Liga geschafft hat, die Lizenz zu verweigern. In diesem Fall wirkt der „blaue Brief“ des DFB-Ligaausschusses selbst ein wenig unseriös. Das ist ungefähr so, als wollte der Schulleiter seinem Abiturienten nachträglich den Leistungsaufwand ankreiden, der den Schüler zum Abitur befähigte.

„Ich begreife das nicht“, sagte Werner Velbinger, Vizepräsident des Hamburger Klubs und einer seiner Mäzene, „da haben wir für die 1. Bundesliga investiert, um aus dem finanziellen Schlamassel der 2. Bundesliga herauszukommen, und jetzt, wo wir unser Ziel erreicht haben, will man uns um die Früchte unserer Arbeit bringen.“

Tatsächlich hatte der FC St. Pauli bereits vor der vergangenen Saison in aller Öffentlichkeit wissen lassen, daß man investiere, um das große Ziel, den Aufstieg, zu erreichen. Mit diesem Lizenz-Entzug würde also auch der Grundsatz von Treu und Glauben mit einem Federstrich wertlos gemacht.