Behäbig-breite Strandkörbe gehören ins Bild der deutschen Nord- und Ostseeküste. Doch mancherorts macht sich Unlust breit: Der zur Hauptsaison oft rare Windschutz wird immer teurer. Nepp auf Kosten wehrloser Urlauber?

Fast einen Zehnmarkschein blättert der Gast durchschnittlich pro Tag für Kurtaxe und Strandkorbmiete hin. Das sind in drei Wochen beachtliche 200 Mark – für eine Person. Es geht auch noch ein bißchen teurer, beispielsweise in Westerland auf Sylt, wo die Kurtaxe mit 3,80 Mark und der Strandkorb mit 6,50 Mark pro Tag zu Buche schlagen. Oder auf der Ostfrieseninsel Baltrum: Acht Mark kostet der Korb pro Tag, die Zehntagesmiete 60 Mark; hier ist freilich die Kurtaxe mit 2,80 Mark geringer. Für seine Strandkorbmiete bekommt der Urlauber, abgesehen vom Korb als solchem, weiter keinen Service. Er kann sich weder den Korb noch den Standort aussuchen und darf daher in der Hauptsaison nicht wählerisch sein.

Etwa 160 Körbe pro Vermieter mal sechs Mark... ein Bombengeschäft – warum gibt es dann nicht mehr Körbe? Dem stehen Verordnungen im Wege. Die Strandflächen mit Körben sind meist schon recht dicht besetzt – ein bißchen Freiraum sollte bleiben –, und korbfreie Zonen sind gesetzliche Vorschrift. Eben damit kein Gast sich zum Strandkorbmieten verpflichtet fühlt. Gleichwohl liegen diese Abschnitte nicht gerade zentral.

Wie wär’s, wenn man die Strandkörbe abschaffte? Da möchte Travemündes Kurdirektor Horst Fuchs sofort „für den Strandkorb plädieren“, er hält ihn für „eine fast geniale Erfindung“. Bei der norddeutschen Wetterlage kann man den frühen und späten Sommer tatsächlich nur im Schutz des Strandkorbes schon, beziehungsweise noch genießen. Außerdem, so Fuchs, ersparten die Körbe „den grausigen Anblick von Liegestühlen in Fünfer-Reihen“. So ein Korb sei wie ein kleines „Kommunikationszentrum“ und würde, jedenfalls in Travemünde, auch nicht mehr durch ringsum aufgeschüttete Sandwälle zur Festung ausgebaut.

Die Anzahl der Strandkörbe hält Horst Fuchs für ausreichend. In Travemünde gibt es 2160 Stück, die sich auf elf Vermieter verteilen. Diese zahlen an die Kurverwaltung jährlich 112 000 Mark Gebühren. Ein erheblicher Posten, der zu den 900 000 Mark Kurtaxeinnahmen hinzukommt.

Der Urlauber zahlt also doppelt: einmal die Kurtaxe und zweitens die Strandkorbmiete. Den Einwand, das sei wohl nicht ganz fair, läßt Fuchs nicht gelten. Insgesamt würden für zwei Millionen Mark Leistungen für die Gäste erbracht und die „freie Spitze“ müsse eh’ durch die Stadt Lübeck gedeckt werden. Zu den großen Ausgabenposten in Travemünde gehören beispielsweise mit 500 000 Mark die Strandreinigung und mit 300 000 Mark die Pflege der Grünanlagen; allein der Unterhalt der Toiletten summiert sich jährlich auf 100 000 Mark.

Von den durchschnittlich sechs Mark pro Tag und Korb (in kleineren Badeorten weniger), muß der Vermieter also seinen nicht zu knappen Obulus an die Kurverwaltung abführen, die ihm auch den Preis vorschreibt – ihn freilich auch vor jeder Konkurrenz schützt. Dafür bekommt der Vermieter noch die Auflage, die ganze Saison hindurch zu vermieten. Dauerregen wäre kein Grund, den „Laden“ zuzumachen.