er Krieg ist aus, und sein Prophet ist tot.“ So lautete der Kommentar des konservativen New Yorker Publizisten (und Ölmillionärs) William F. Buckley zu den Niederlagen, die US-Präsident Jimmy Carter bei den, Abstimmungen in verschiedenen Kongreßausschüssen über Teile seines Energieprogramms hinnehmen mußte.

Zu früh gefreut, Mister Buckley. Noch hat der Prediger in der amerikanischen Blechwüste den vor drei Monaten erklärten Krieg gegen die Energiekrise nicht verloren.

Kein Zweifel aber: Die bisherigen Reaktionen auf seine Mobilmachung haben den Bewohner des Weißen Hauses tief deprimiert. Trotz aller Fernsehansprachen, mit denen er seine Absichten der Öffentlichkeit verständlich zu machen versuchte, trotz aller Ermahnungen an den Kongreß zum „verantwortlichen Handeln“, haben die Mitglieder seines wichtigsten Ausschusses dem Präsidenten die Ermächtigung zur schrittweisen Erhöhung der Benzinsteuer verweigert. Damit ist der wichtigste Teil des Energiepaketes – zumindest für diese Legislaturperiode – im Papierwolf des Kongresses gelandet.

Entgegen der Darstellung Carters ist dieses niederschmetternde Abstimmungsergebnis nicht das Werk böser Lobbyisten aus Detroit. Die Autoindustrie brauchte kaum einen Finger zu rühren. Die Ausschußmitglieder wußten auch ohne Aufklärungsarbeit der Automobilbranche nur zu genau, wie unwirsch die Wähler reagieren, wenn das Futter für die geliebten Pferde unter der Motorhaube teurer wird.

Derselbe Kongreßausschuß, der die Benzinsteuer abschmetterte, stimmte auch dafür, die von Carter vorgeschlagene Einführung einer Strafsteuer auf Autos mit großem Benzindurst um ein Jahr aufzuschieben. Auch ohne Steuer – aber vielleicht doch beeindruckt von Carters Kriegserklärung gegen die Energieverschwendung – haben sich die amerikanischen Autokäufer zum Kummer Detroits aber schon in hellen Scharen zum Kauf importierter Wagen entschlossen, die sie pro Liter um einige Kilometer weiter bringen als die heimischen Säufer. Jeder fünfte Autokaufer entschied sich im Mai für ein europäisches oder japanisches Fabrikat. Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Ausländer ihre Verkäufe um 72 Prozent erhöhen, die einheimischen Produzenten nur um gut fünf Prozent. Selbst VW, in den USA seit langem auf dem absteigenden Ast, konnte mit über 111 000 Autos in den ersten fünf Monaten 35 Prozent mehr verkaufen als im Vorjahr – im Mai waren es sogar fast 81 Prozent mehr.

Kein Glück hatte Carter auch mit seinem Vorschlag, den Höchstpreis für neu gefundenes Erdgas um zwanzig Prozent heraufzusetzen. Im zuständigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses setzten sich nämlich die Freunde der Öl- und Gasindustrie von Texas und Louisiana mit ihrem Votum durch, Preiskontrollen für neu gefundenes Erdgas ganz abzuschaffen.

Nach diesen drei Peitschenhieben reichte der Kongreß dem Präsidenten allerdings auch ein großes Stück Zuckerbrot: Die Mehrheit des zuständigen Komitees stimmte für die Einführung einer Steuer, die den Höchstpreis von US-Rohöl auf das Opec-Niveau bringen soll. Derzeit kostet ein Barrel in den USA gefördertes Öl durchschnittlich 8,57 Dollar, Importöl dagegen 13,30 Dollar. Die Steuermehreinnahmen sollen durch entsprechende Einkommensteuersenkungen oder Geldüberweisungen an jeden erwachsenen Amerikaner nieder, unter die Leute gebracht werden.Damit würde der Kongreß erstmals das Rezept anwenden, mit dem Carter und Schlesinger die Amerikaner zu Sparsamkeit beim Energieverbrauch bringen wollen: die teilweise Ersetzung der Einkommensteuer oder anderer Steuerarten durch die Einführung von Energie-Verbrauchssteuern. Falls es den Wählern irgendwann dämmert, daß sie durch Umstellung ihrer Verbrauchsgewohnheiten ihren Lebensstandard wahren können, erschiene ihnen vielleicht auch die schrittweise Erhöhung der Benzinsteuer nicht mehr völlig tabu.