Bayern will ein garantiert bayerisches Fernsehen

Schon öfter einmal haben sich die Bayern aus dem gemeinsamen Fernsehprogramm der ARD ausgeschaltet. Schon seit längerem wird gemunkelt, die CSU möchte den Münchner Sender am liebsten ganz aus der ARD ausscheren lassen.

Was der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks am 16. Juni beschlossen hat, ist jedoch ein anderer Akt des rundfunkpolitischen Separatismus: Ab 1. Januar 1978 wird das Dritte Fernsehen Bayerns, bisher bescheiden und der ursprünglichen Programmkonzeption treu „Studienprogramm“ genannt, in „Bayerisches Fernsehen“ (BFS) umgetauft und mit zusätzlichen Mitteln von nur 18,4 Millionen Mark zu einem „Vollprogramm“ ausgebaut.

Was in München „Vollprogramm“ heißt, ist hauptsächlich gekennzeichnet durch eine Leere: Als einzige ARD-Anstalt wird das BFS auf die 20-Uhr-Tagesschau verzichten und damit auf das wichtigste integrierende Symbol dieses Senderverbands. An ihrer Statt gibt es mehrmals abends selbstgemachte Kurznachrichten.

Der norddeutschen Tagesschau ledig, wird das BFS in anderer Hinsicht um so voller sein: voll von „großflächiger“ „familienfreundlicher“ Unterhaltung in Gestalt von (wohl überwiegend nicht so bayerischen) Spielfilmen und Fernsehspielen, die um 19 Uhr beginnen und die bayerischen Fernsehe? für den Abend von ARD und ZDF weglocken sollen.

Das BFS wird als Ergebnis eines geradezu atemraubenden Nachdenkens vorgestellt, ausgelöst durch das neue Koordinierungsschema zwischen ARD und ZDF, welches in der Tat ARD und ZDF weiter einander angleichen wird. Nachgedacht wird auch im Bereich von S 3, dem gemeinsamen Dritten Programm von Süddeutschem Rundfunk, Südwestfunk und Saarländischem Rundfunk. Daß S 3 sein Hauptabendprogramm künftig auch um 19 Uhr beginnen läßt, ist bereits beschlossene Sache.

Höflicher wäre es gewiß gewesen, wenn die Bayern die anderen Sender mit ihrem Alleingang nicht überrumpelt hätten; aber auseinanderbrechen wird die ARD darum noch nicht. Auch als CSU-Intrige wird sich die bayerische Initiative nicht darstellen lassen: Politiker aller Lager haben dem BFS im Rundfunkrat zugestimmt. Und auch rechtlich gibt es nichts zu beanstanden: Die Dritten Programme sind nicht „koordinierungspflichtig“ – jeder Sender kann mit seinem machen, was er will. Wenn die Bayern also partout ihre massive internationale Großflächenunterhaltung innerhalb eines echt bayerischen Fernsehens wünschen und bezahlen können, warum sollen sie dann nicht?