Mit „heißer Technik“ könnte bei neuartigen Wärmekraftwerken bald ein Drittel mehr Strom aus den vorhandenen Primärenergien fließen

Von Franz Fischer

Während die Kontroverse über die Gefahren der Atomenergie immer höhere Wellen schlägt und Elektrizitätsversorger und Umweltschützer immer häufiger öffentlich vor der Zukunft bangen, bahnt sich in der Energietechnik eine internationale Zusammenarbeit mit neuer Zielrichtung an. Mit einem Zehnjahresprogramm wollen jetzt einige Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA, Paris) das nach wie vor größte Loch stopfen, durch das wertvolle Energie nutzlos verloren geht: den „Kamin“ der heutigen Wärmekraftwerke.

Denn diese Elektrizitätswerke zeichnen sich vor allem dadurch aus, daß sie die eingesetzte Primärenergie überwiegend in nutzlose Abwärme umwandeln. Die elektrische Energie, die aus den Anlagen kommt, erscheint dabei mitunter wie ein Nebenprodukt. Schlußlicht in der diesbezüglichen Rangliste sind die heutigen Kernkraftwerke. Sie produzieren aus dem nuklearen Brennstoff doppelt soviel Energie in Form von Abwärme als elektrische Energie.

Vor sieben Monaten definierte eine Arbeitsgruppe der IEA ein Programm „Energy Cascading“. In dessen Rahmen sollen Methoden zur stufenweisen Energienutzung – und damit zur Energieeinsparung – von den teilnehmenden Ländern vorgeschlagen und, sofern sie realistisch erscheinen, gemeinsam entwickelt werden. Stufenweise Energienutzung bedeutet zum Beispiel: zuerst Strom erzeugen, dann Abwärme nutzen, oder Strom durch verschiedene Prozesse erzeugen, die hintereinander geschaltet sind.

Der Anstoß zu dem Energy-Cascading-Programm kam aus Wien – in Form eines fertigen Projektes für ein neuartiges Wärmekraftwerk, das die im Heizkessel oder Reaktor erzeugte Wärmeenergie stufenweise in elektrische Energie umwandelt. Dadurch ergibt sich eine drastische Erhöhung des elektrischen Wirkungsgrades: bei fossil gefeuerten Anlagen von heute 40 bis 43 Prozent auf 55 Prozent, bei künftigen Hochtemperaturreaktoren von etwa 45 (heute geschätzt) auf 60 Prozent.

Grundlagen bereits erarbeitet