Beachtlich

„Badlands“ von Terrence Malick. „Bonnie und Clyde“ im Teenagermilieu: wie Arthur Penns Gangsterballade basiert auch der 1973 entstandene Debütfilm von Terrence Malick auf einer authentischen Begebenheit. Von einer Kleinstadt in South Dakota brechen 1959 das vierzehnjährige Mädchen Holly (Sissy Spacek, bekannt aus „Carrie“) und ihr Freund Kit zu einer mörderischen Reise durch den mittleren Westen auf. Wer sich ihrem aus James-Dean-Filmen und anderen Trivial-Mythen gespeisten Freiheitstraum entgegenstellt, muß sterben. Der kühle, etwas akademisch mit Orff-Musik und Holly’s Kommentaren unterlegte Film beschreibt die Kollision zwischen amerikanischer Realität und den synthetischen Phantasien der Vergnügungsindustrie. Holly und Kit folgen ihren Idolen bis zum bitteren Ende, bis die Wirklichkeit sie eingeholt hat. „Badlands“ kursiert zur Zeit in den deutschen Programmkinos. Hans C. Blumenberg

Ärgerlich

„Spielen wir Liebe“ von Pier Giuseppe Murgia. Kaum der Erwähnung wert wäre dieser Kinder-Quark („Maladolescenza“ im Original – schwierige Jugendjahre), hätte die renommierte Photographin Irina Ionesco ihn nicht derart penetrant publizistisch breitgetreten, daß die Mitwirkung ihrer 12jährigen Tochter Eva Ionesco wirkungsvoll verknüpft werden konnte mit dem jüngsten Trend der Pornowelle, der Erotik mit Kindern. Hier bricht dieses altklugarrogante Babygesicht in die Ferienidylle zweier Halbkinder (Martin Loeb, Lara Wendel) ein und verleiht dem Spiel erwachender Erotik die kassenträchtige sado-masochistische Würze. Der sardische Schriftsteller und „Pubertätsspezialist“ Murgia möchte sein Spielfilmdebüt verstanden wissen als eine „Allegorie der Pubertät, eine grausame Fabel, angefüllt mit Anspielungen aus den klassischen Gleichnissen“, in der die „Landschaft eine Metapher der Libido“ ist. Derlei Verblasenes umschreibt nur ein Konglomerat aus abgestandener Sexualsymbolik und antikisierenden Lyrismen, das den Mythos kindlicher Unschuld und Verderbtheit zu beschwören sucht. Faktisch ist es weniger Allegorie denn Zumutung: der verquaste und kunstgewerblich verkitschte Lusttraum eines chauvinistischen Voyeurs.

„Ab morgen sind wir reich und ehrlich“ von Franz Antel, der einmal mehr aus einem leidlich lustigen Komödienstoff (es geht um italienische Mafiosi, einen amerikanischen Politiker und Mitglieder eines Filmteams) eine katastrophale Klamotte macht. Antel, Spezialist für Abschreibungsfilme („Casanova & Co.“), versucht auch diesmal, inszenatorische Dürftigkeit durch „internationale“ Besetzung zu kompensieren. So tummeln sich hier abgehalfterte Hollywoodstars (Carroll Baker, Arthur Kennedy) neben bundesdeutschen Altmimen (Christine Kaufmann, Curd Jürgens) und italienischen Kleinkomparsen (Angelo Infanto, Vittorio Caprioli). „Man glaubt gar nicht, was einem als Filmstar alles zugemutet wird“, sagt einmal Carroll Baker, die eine Filmdiva spielt. Es kann schwerlich schlimmer sein als das, was einem hier zugemutet wird – als Filmbesucher.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Der Stadtneurotiker“ von Woody Allen. „Eine Frau unter Einfluß“ von John Cassavetes. „Stroszek“ von Werner Herzog. „Yü Gong versetzt Berge“ von Joris Ivens und Marceline Loridan. „Die Marx Brothers im Kaufhaus“ von Charles Riesner. „Der amerikanische Freund“ von Wim Wenders.