Der Deutsche Alpenverein mit über 300 000 Mitgliedern ist mehr als ein Klub Gleichgesinnter, erkenntlich am zünftigen Gebaren und dem silbernen Edelweiß am Hut. „Die größte Bergsteigervereinigung der freien Welt“ verabschiedete jetzt auf der Hauptversammlung in Rosenheim mit großer Mehrheit ein bemerkenswertes „Grundsatzprogramm zum Schutz des Alpenraumes“. Es markiert eine Wende auf dem Weg von der Erschließung zur Erhaltung, um nicht zu sagen: Rettung der Alpen. Es dokumentiert den Wandel vom treuherzigen Blümchenpflücker-Idealismus zu einer weiträumigen Perspektive, unter der die Anforderungen des Breitentourismus, der einheimischen Bevölkerung und des Schutzes der Natur im Interesse nachfolgender Generationen aufeinander abgestimmt werden sollen.

Die Vereinsoberen müssen dabei mit dem Problem fertig werden, daß sie zunächst Interessenkonflikte in den eigenen Reihen, wenn nicht in der eigenen Brust austragen müssen, bevor sie überhaupt Interessen geltend machen können. Denn der DAV ist ja vor gut hundert Jahren mit dem Ziel gegründet worden, die Bergwelt durch die Anlage von Wegen und den Bau von Hütten zugänglich zu machen. Die heutige Generation dagegen hat alle Hände voll zu tun, um die totale Erschließung der Alpen durch Autostraßen, Bergbahnen, Skizirkusse, Stauseen und dergleichen zu verhindern. Was damals eine Privatangelegenheit begeisterter und begüterter Idealisten war, ist heute ein Politikum: ein äußerst schwieriger Balanceakt gegensätzlicher Wünsche und Notwendigkeiten.

In manchen Aussagen des Grundsatzprogramms hätte man sich zwar ein entschiedeneres Auftreten, konkretere Nennung der Gefahren und ihrer Verursacher gewünscht. Doch wo es um den Umweltschutz geht, hat man ja leider gelernt, sich zu bescheiden. Die mit den handfesten Interessen saßen zu oft schon doch am längeren Hebel. Auch kann der DAV zunächst einmal nur für den verhältnismäßig kleinen deutschen Alpenanteil sprechen, allenfalls noch für die ihm gehörenden Hütten in Österreich. Seine nächste Aufgabe dürfte also sein, die alpenländische Nachbarschaft für ein gemeinsames Vorgehen zu gewinnen – ein zweifellos mühsamer Weg. Hans Eckart Rübesamen