Beim 108. Derby-Meeting in Hamburg-Horn galoppiert der Superlativ. Insgesamt sind für die Horner Rennwoche Preise und Züchterprämien von mehr als einer Million Mark ausgesetzt worden. Und wenn die Pferde am 3. Juli – mit einem Rekordfeld ist allerdings nicht zu rechnen – im Kampf um das "Blaue Band" des Turfs auf die Strecke gehen, wird der Preis durch den zusätzlichen Bonus der Einsätze auf über 400 000 Mark klettern.

"Auch das wäre ein Rekord", sagte Joachim Willink, Vorsitzender des Hamburger Renn-Clubs. "Ich will damit sagen – und das ist uns wichtiger als alle Rekorde –, daß das Deutsche Derby sehr lebendig ist und in Hamburg seinen festen Platz hat."

Es ist in jedem Jahr dasselbe, da fehlt es nicht an kritischen Stimmen aus dem Kreis der Jockeis und Trainer, die das atmosphärische Defizit der Hansestadt – die Kontaktschwierigkeiten oder den Mangel an Freundlichkeiten – emsig beklagen. In Baden-Baden zum Beispiel, so heißt es etwa, da sei der Galoppsport viel angenehmer repräsentiert.

Mag sein; aber eine so selbstbewußte Millionenstadt wie Hamburg, Bundeskanzler Helmut Schmidt hat sich als Hamburger natürlich für das Derby angesagt, krempelt sich aus Anlaß eines so bedeutungsvollen sportlichen Ereignisses nicht einfach um. Warum sollte sie? Auch ein Bundeskanzler wird in Hamburg-Horn nicht enthusiastisch, sondern nur reserviert-freundlich begrüßt werden. Man weiß das aus Erfahrung. Die Hamburger sind so.

Und doch, das Deutsche Galopp-Derby macht Hamburg bunter, fast ein wenig weiblich, weil die Mode, die weiblich ist, vor den Augen von 40 000 Zuschauern regiert–gleich nach den Pferden. Die Mode-Passionen der Hamburger gelten als unterkühlt; aber noch nie fehlten bei einem Derby der letzten Jahre die Mutbeweise der Hanseatinnen, hier auf dem Zuckeltrab zwischen Tribüne, Totalisator und Führring Exotisches aus der Hutschachtel zu bieten.

"Aber im Grunde", sagt Joachim Willink, "sind wir volkstümlich, und wir wissen sehr wohl, daß das große Geld aus den kleinen Portemonnaies kommt."

Im vergangenen Jahr, beim 107. Derby-Meeting, wurde in der Horner Rennwoche am Totalisator insgesamt eine Summe von 4,33 Millionen Mark registriert. "Wenn das Wetter uns keinen Strich durch die Rechnung macht", sagte Joachim Willink, "hoffen wir, auch diesen Rekord zu durchbrechen."