Von Rudolf Walter Leonhardt

In Klagenfurt gab es vorige Woche einen interessanten Versuch: Wiederbelebung jener inzwischen schon beinahe legendären Gruppe 47, die von 1947 bis 1967 im literarischen Leben den Ton angab.

Der nach der Lyrikerin Ingeborg Bachmann benannte Literaturpreis ist 100 000 österreichische Schillinge wert (also etwa 14 000 Mark). Gestiftet hat ihn die Stadt Klagenfurt in Kärnten, am Wörthersee, nahe der jugoslawischen Grenze.

Ingeborg Bachmann wurde am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren und starb am 17. Oktober 1973 in Rom, als ihr Bett in Flammen aufging. Immer wieder auftauchende Gerüchte, wonach es sich dabei um Selbstmord oder gar um Mord gehandelt habe, sind reine Spekulationen.

Der Ingeborg-Bachmann-Preis wurde am 21. Juni dieses Jahres zum ersten Male verliehen, im Rahmen der seit 1969 alljährlich stattfindenden Klagenfurter Woche der Begegnung.

Zweiundzwanzig Autoren aus Österreich, der Schweiz, der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland hatten sich darum beworben. Wer am Wettbewerb teilnehmen wollte, mußte ein Stück bisher noch unveröffentlichter erzählender Prosa vorlesen.

Dreißig Minuten waren für die Lesung angesetzt, dreißig Minuten für die sich anschließende Diskussion der dreizehn Juroren aus vier Ländern. Diese konnten am Ende sich auf sechs preiswürdige Kandidaten einigen: Hans Jürgen Fröhlich, Gert Jonke, Jürg Läderach, Peter Schalmey, Renate Schostack, Godehard Schramm.