ZEIT: Das Neue Deutschland meldet in einer Zehn-Zeilen-Notiz auf Seite 2, daß Sie die DDR verlassen haben und behauptet: Krug hatte, wie bekannt, in der DDR stets die Möglichkeit, sich vielseitig künstlerisch zu betätigen, er hat jedoch in letzter Zeit alle Angebote der Konzert- und Gastspieldirektion sowie anderer Institutionen abgelehnt.“ Stimmt das?

KRUG: Nein. Ich habe von dem Tag an, als ich den Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung unterschrieb, keinerlei Arbeitsangebote gehabt. Bis ich im April meine Ausreise beantragte. Da kamen plötzlich ein paar Angebote. Die allerdings lehnte ich ab – ich wollte nicht „handeln“. Ich wollte nicht mit Kleckerkram meinen Entschluß, die DDR zu verlassen, verschmiert sehen; und der stand fest.

ZEIT: Wieso eigentlich? Nur weil man Ihnen keine Rollen mehr anbot? Anders gefragt: Wären Sie geblieben, hätten Sie weiterspielen können?

KRUG: Die Sache ist komplizierter. Gut, ich war das, was es in der DDR nicht gibt – arbeitslos. Aber ich war das ja nicht durch Zufall. Dem war ein eigener. Beschluß, ein Willensakt, ein politischer Prozeß vorausgegangen.

ZEIT: War Ihre Unterschrift also mehr als Protest gegen die Behandlung Biermanns, gar Summe eigener politischer Querelen?

KRUG: Ja und nein – anfangs, bitte lachen Sie nicht, haben alle – ich auch – wirklich gedacht, unser Protest kann diese unerhörte bürokratische Maßnahme rückgängig machen. Biermann gehörte zu uns, gehörte in die DDR. An mehr war nicht gedacht, auch nicht an mehr Risiko. Ich hatte keinen Augenblick geglaubt, eine große Mutprobe, gar ein berufliches Risiko einzugehen. Eine etwas schräge Situation – ich drehte gerade einen Film, „Das Versteck“, Buch Jurek Becker, Regie Frank Beyer, Co-Star Jutta Hoffmann. Und plötzlich waren wir alle „Dissis“, wir alle hatten ja unterschrieben. Der Film wird sicherlich nie gezeigt.

ZEIT: Werden alle Ihre Platten, Filme, Fernsehsendungen jetzt zurückgezogen?