DIE ZEIT

In Acht und Bann

Die Geschichte des Kommunismus war eine Geschichte seiner Spaltungen, seit Trotzki und Stalin miteinander brachen. Im Jahre 1949 wandte sich Tito von der Moskauer Heilslehre ab; in den Jahren 1956–1960 machte sich – der Maoismus selbständig; nun hat der Bannstrahl Breschnjews den spanischen Kommunistenführer Carrillo getroffen, den profiliertesten Vertreter des Eurokommunismus.

Der Kanzler im Fadenkreuz

Das Bild ist bekannt: Nach dem Gottesdienst für Generalbundesanwalt Buback und seine ermordeten Begleiter verlassen Witwen und Trauergäste schmerzverhangenen Gesichts die Kirche.

Glück – geregelt durch Gesetz

Am Beruf unserer Zeit zur Gesetzgebung haben in Deutschland bislang nur Philosophen gezweifelt, die Gesetzgeber nie. Doch allmählich dringt der Zweifel aus den Höhen der Wissenschaft, vorbei an Ministerien und Parlamenten, bis hinab an die Basis der Rechtsunterworfenen.

Literatur im Freien

Was in Hamburg in der vergangenen Woche unter dem etwas krampfig-kessen Titel „Literatrubel“ stattfand, auf Plätzen und auf Straßen, in der Markthalle und im Kunstverein, das war mehr als die übliche Bemühung eines Kulturreferenten, auf die Kunst und damit unauffällig auch auf die eigenen Verdienste um die Kunst hinzuweisen; mehr als die üblichen Popularisierungsversuche, Stichwort: Die Kunst dem Volk.

Zeitspiegel

Eine für CSU-Verhältnisse ungeheuerliche Nestbeschmutzung leistete sich der ehemalige bayerische Innenminister Bruno Merk. Die CSU-Kritik am Arbeitsmarktprogramm der CDU veranlaßte ihn unter anderem zu dem Tadel, abgedruckt im Bayernkurier: „Hier muß doch geradezu der Verdacht entstehen, daß es eben nicht mehr um die Sache, sondern um eine Auseinandersetzung mit der CDU geht.

Strategiekommission der Union: Wird Kohl eingezäunt?

Immer häufiger nähert sich Helmut Kohl rhetorisch der Main-Linie: Wenn auch noch nicht mit dem gleichen Zungenschlag wie Franz Josef Strauß, so sieht er doch die Rolle der Liberalen im Verwirrspiel um das Sozialpaket an der „Grenze des politisch Zumutbaren“ und die Funktionsfähigkeit des Parteiensystems in Frage gestellt, wenn die FDP diese Grenze überschreite, Bei dieser Vorwärtsverteidigung muß der Oppositionschef jedoch immer noch hinter sich blicken, denn nach dem niedersächsischen Ja zum Kostendämpfungsgesetz ist in der Union die Zahl derer weiter gewachsen, die im Gegensatz zu Kohl keinen Pfifferling mehr für ein Bündnis mit den Freien Demokraten geben.

SPD-Kritik am Wehretat

Zunächst einmal hatte Bundesverteidigungsminister Georg Leber am vorigen Donnerstag gut lachen: In namentlicher Abstimmung half die Koalition mit 252 Stimmen dem Haushalt seines Ministeriums über die Hürden des Bundestags, während die CDU/CSU zum erstenmal geschlossen dagegen stimmte.

Krisenstimmung im Vatikan

Die Hand des fast achtzigjährigen Paul VI. zitterte nicht, als er den fünf neuen Kardinälen den roten Hut aufs Haupt drückte – Zeichen der Treue „bis zum Blutvergießen“, die von den höchsten Würdenträgern der katholischen Kirche erwartet wird.

Kernfrage Kernenergie

Gegen den Widerstand der FDP-Minister Genscher, Maihofer und Friderichs hat der kleine FDP-Parteitag in Saarbrücken beschlossen, den Neubau von Kernkraftwerken für mindestens drei Jahre auszusetzen.

Watergate – fünf Jahre danach

Er hat die Hand in die Fackel gehalten, um seinen Willen zu prüfen, er bewundert die im Kriege geschlagenen Deutschen^ die heute bessere Autos bauen als die Amerikaner, er hält den schrankenlosen Einsatz der Macht, wo nötig, für so selbstverständlich wie die Benutzung einer Zahnbürste, und er hätte auf jeden Fall jene Tonbänder vernichtet, die Richard Nixon schließlich zu Fall brachten.

Bananerepublik in Angst

Das Erdbeben begann am 4. Februar 1976 um 3.02 Uhr Ortszeit. Danach kam das dichtbesiedelte Hochland von Guatemala, wo mehr als drei Fünftel der 6,2 Millionen Guatemalteken leben, tagelang nicht zur Ruhe.

Fernseh-Zeit: Der NDR: Rouge et noir

Wenn Gerhard Stoltenberg, Ministerpräsident aus Kiel, das Visier runterklappt, die Lanze einlegt und gegen den NDR zu Felde zieht, bekommt er den ersten Szenenapplaus bei seinen Reden.

Bamberg und Bayreuth: Rangelei um Studenten

Vom „Liquidieren“ sprechen die einen, von „Vergiftung der Atmosphäre“ die anderen; Besonnene warnen vor einem Städtekrieg: Die einen und die anderen, das sind die Bayreuther und die Bamberger, die Ostoberfranken und die Westoberfranken oder, genauer, ihre Lokalspitzen in Politik, Presse und Wissenschaft.

Eurokommunismus: Das dritte Schisma der roten Kirche

Das Buch stellt die Generalabrechnung des spanischen KP-Chefs mit dem dogmatischen Kommunismus Moskaus dar, und es ist zugleich der erste Versuch, den schillernden Begriff „Eurokommunismus“ theoretisch zu umreißen.

Rückfall ins Mittelalter

Die Nachricht sollte nachdenklich stimmen: Obwohl inzwischen fast die Hälfte aller Arbeitnehmer Anspruch auf mindestens fünf Wochen Urlaub im Jahr hat, nahm 1976 die Zahl der Übernachtungen inländischer Gäste in der Bundesrepublik nicht zu, sondern ist im Gegenteil um 1,7 Prozent gesunken.

DIHT-Kongreß: Die Idee war gut...

Die Idee war hervorragend: Zum erstenmal wollte der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) seinen Jahreskongreß nicht nur im Saale stattfinden lassen.

Dieter Piel zur Wettbewerbspolitik: Lehrgeld bezahlt

Der Fall stand in diesen Tagen in einer öffentlichen Anhörung im Bundeswirtschaftsministerium zur Debatte, und er scheint zunächst jene Kritiker zu bestätigen, die das Wettbewerbsrecht in der Bundesrepublik für zu lasch halten, und den wirtschaftlichen Wettbewerb selbst von fortschreitendem Verfall bedroht sehen.

Bonner Kulisse

Sozialdemokraten lassen einen alten Fahrensmann nicht verkommen – vor allem nicht Karl Wienand. Seit der dubiosen Affäre um den angeblichen Kauf der Stimme des Abgeordneten Julius Steiner gegen Rainer Barzel im Frühjahr 1972 hatte er es schwer, im bürgerlichen Leben wieder Fuß zu fassen.

Vorher – Nachher

Am 1, Januar 1973 trat Großbritannien der EG bei. Seit Ende 1972 fiel der Index der Industrieproduktion (1970 = 100) von 102,6 auf 102,2 Punkte Ende 1976; im gleichen Zeitraum nahm die Arbeitslosigkeit von 3,7 auf 5,4 Prozent zu; der Index der Einzelhandelspreise (1970 = 100) schnellte von 117,0 auf 211,4 Prozent hoch; das Handelsbilanz-Defizit verfünffachte sich auf 3,6 Milliarden Pfund; die Exporte in EG-Länder vergrößerten ihr Gewicht von 30,1 auf 35,6 Prozent, die Importe aus EG-Ländern von 31,4 auf 36,5 Prozent des Gesamtvolumens.

Kartell-Krieg der Konzerne

Meist handelt es sich nur um Gruselgeschichten von Leuten, die hinter fast jedem ökonomischen Vorgang finstere Verschwörungen, Komplotte und Kartelle vermuten.

Kaffeestreit: Mit Bohnen auf das Pulver schießen

Rudolf Bossle, Chef der Deutschen Nestlé-GmbH, versteht den deutschen Verbraucher nicht mehr. Statt sich wie Franzosen, Amerikaner, Engländer und Schweizer angesichts der horrend angestiegenen Preise für Bohnenkaffee nun auf den viel billigeren löslichen Kaffee zu stürzen, bleiben die deutschen Hausfrauen ihren kostbaren Bohnen treu.

Computerindustrie: Wohin mit dem Geld?

Walther A. Bösenberg, Vorstandsvorsitzender der IBM Deutschland GmbH in Stuttgart, ist Hamburger: etwas unterkühlt und zurückhaltend, wenn auch verbindlich.

Zeitliches aus Frankreich: Pariser Geschichten

Fast alle Staaten bessern ihre Finanzen durch deftige Steuern auf Tabak und Alkohol auf. Auch sonst verdient der Staat gern an den Lastern seiner Bürger: In der Bundesrepublik werden die Dirnen besteuert, in Frankreich die Pornographie.

Filmindustrie: Der Krieg der Sterne

So etwas hat es in New York noch nicht gegeben“, schreibt das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek. Zeitungen rätseln,Experten haben keine Erklärung parat.

Kein Grund zur Besorgnis

Mit der Stimmung trübt sich die Objektivität. Unter dieser Weisheit litten Börsianer in der vergangenen Woche. Obwohl etliche Aktienkurse stabil blieben, konzentrierte sich das Interesse auf drei Ereignisse: den Sturz der AEG-Aktie, den enttäuschenden Lagebericht in der BASF-Hauptversammlung zur Konjunktur und auf den Schwächeanfall der neuen Bezugsrechte.

Manager und Märkte

Die stern-Redakteure Rolf Gillhausen und Rolf hinter, zugleich von Anfang an Macher des jüngsten Gruner + Jahr-Objekts Geo, wollen sich wieder ganz und ausschließlich auf den Stern konzentrieren.

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