Mit der Stimmung trübt sich die Objektivität. Unter dieser Weisheit litten Börsianer in der vergangenen Woche. Obwohl etliche Aktienkurse stabil blieben, konzentrierte sich das Interesse auf drei Ereignisse: den Sturz der AEG-Aktie, den enttäuschenden Lagebericht in der BASF-Hauptversammlung zur Konjunktur und auf den Schwächeanfall der neuen Bezugsrechte. Niemand hat eine präzise Vorstellung, was die AEG-Aktie in die Tiefe reißt. Selbst Börsianer, die erfahrungsgemäß einen ausgeprägten Spürsinn für Entwicklungen besitzen, zweifeln, ob es sich tatsächlich um eine ernste Unternehmenskrise handelt oder um massive Verkäufe bestimmter Gruppen. Zwar ist immer wieder der Hinweis zu hören, AEG könne voraussichtlich für 1977 keine Dividende zahlen. Doch sicher ist das heute keinesfalls.

Die pessimistischen Töne in der BASF-Hauptversammlung brachte die Stimmung endgültig auf den Nullpunkt. Der Kurs der Aktie sank um runde acht Mark. Selbst VW litt unter der Verstimmung und fiel erstmals unter 180 Mark. Die Talfahrt der Bezugsrechte überraschte dennoch.

Das Neckermann-Bezugsrecht, für das am Mittwoch vergangener Woche noch 12 Mark geboten wurden, sank Anfang dieser Woche auf sieben Mark. Die Neckermann-Aktie büßte derweil zehn Mark ein. Noch schlimmer traf es Schering mit einem Minus von 21 Mark gegenüber dem Dienstag vergangener Woche. Selbst das Kaufrecht für Dresdner-Bank-Wandelanleihen wurde schwach. Binnen einer Woche verlor es eine Mark und fiel auf 1,60 Mark zurück.

Trotz dieser trüben Tage gab es Lichtblicke an der Börse. Für sie sorgte die Chemie-Verwaltung mit plus fünf Mark und der nicht in der Tabelle enthaltene Baumaschinenhersteller Orenstein & Koppel, der allein am vergangenen Freitag neun Mark zulegte.

Am Dienstag dieser Woche war die drückende Stimmung denn auch wie weggeblasen. BASF legte fünf Mark zu, VEW drei Mark. Die freundliche Tendenz spiegelt in der Tat die wirtschaftliche Situation der Aktiengesellschaften wider. Zwar gibt es die bekannten Ausnahmen, die ihre Barausschüttung stärker reduzieren müssen, als ihnen und ihren Aktionären lieb ist. Doch die Mehrzahl der Unternehmen besitzt einen guten Auftragsbestand und solide Gewinnaussichten. Und das wird an der Börse früher oder später honoriert. jfr.