„Colette“, von Yvonne Mitchell. Yvonne Mitchells Stil, der den Leser regelrecht in das literarische und private Leben der Colette hineinsaugt, ist dem Leben dieser Frau angemessen, in dem es drei Ehen und Frauenfreundschaften gab. Man lernt eine Schriftstellerin kennen, die sich aus der Totalunterdrückung (der erste Ehemann Willy sperrte sie ein, ließ sie täglich schreiben, publizierte es unter seinem Namen) ihre Emanzipation, bis hinauf zum „Grand Officier der Ehrenlegion“, bis zum einzigen weiblichen Staatsbegräbnis Frankreichs, erschrieb. Sido, Colettes Mutter, bleibt Quelle ihrer Vitalität; auch nach Sidos Tod bleibt durch sie die Möglichkeit der Zwiesprache mit Natur und Tier. Eine Frage drängt sich in dieser faszinierenden Biographie auf: Ist die emanzipierte Frau gern Mutter? Eine, für mich erschreckende Sorge um das Kind läßt mich stutzen. Colettes Tochter kam, nach der Scheidung, in ein Internat und wußte nicht, wohin mit ihrem Leben, denn die Mutter war im Grunde nur am eigenen Weiterkommen interessiert. Welchen Platz haben Kinder in einer Emanzipationsbewegung, der sich als introvertierter Egoismus ausprägen muß? (Aus dem Englischen von Hanna Lux; Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins, Tübingen, 1977; 270 S., Bilder und Register, 32,– DM.)

Elisabeth Alexander.