München: „Die Kunst der englischen Romantik 1750–1850“

Die Wolkenstudien von John Constable, Ansichten von Wolkenlandschaften, sind bewunderungswürdige Beispiele einer auf genauester Naturbeobachtung beruhenden atmosphärischen Malerei. Und doch Kunst aus Kunst. Constable hat Vorlagen von Alexander Cozens studiert, die Darstellung von Wolkenformationen eingeübt, die abstrakt gewußte Komposition mit der Naturerscheinung zur Deckung gebracht. So wirkt die ausgestellte Wolkenstudie (um 1822) richtig und gestaltet. Das gleiche gilt auch für das zartfarbige Landschaftsaquarell „Fluß bei Sonnenuntergang William Turners rund zwei Jahrzehnte später entstandenes Aquarell „Wolkenstudie am Meer“ zeigt eine andere Einstellung zur Natur. Das prachtvolle Skizzenbuchblatt enthält nicht die Beschreibung einer Gegend, sondern die Wiedergabe des Eindrucks, den das Bild von Strand, Wasser und Wolken auf den Künstler machte. Das betrachtende Subjekt entscheidet über die Darstellung des betrachteten Objekts. Allein diese drei Werke lohnten den Besuch der Ausstellung – sehenswert sind aber auch die Blätter von Gainsborough, Romney, Flaxman, Füssli, Samuel Palmer und John Martin. Amüsant die Zeichnungen Edward Lears – seine Limericks sind inspirierter. (Galerie Arnoldi-Livie bis Ende Juli, Katalog 6 Mark.) Helmut Schneider

Stuttgart: „Künstler“

Eine Konkurrenz zur traditionellen Künstlerbundausstellung will diese erste Bundesausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler nicht sein, sie versteht sich gleichwohl als eine wichtige Informationsmöglichkeit, von der künftig im Zweijahresturnus Gebrauch gemacht werden soll. Mit der Präsentation ist eine spezielle Ambition gekoppelt. Die im BBK organisierten Künstler stellen sich hier erstmals bundesweit als „Berufsgruppe“ mit ihren speziellen Problemen vor; zugleich soll ein renoviertes Selbstverständnis demonstriert werden. Denn mit der Organisierung in der Gewerkschaft, an der Seite der Lohnabhängigen, so hatten die Künstler vor der Gewerkschaftsdebatte gelobt, werde ein fundamentaler Wandel im Selbstverständnis der Zunft einhergehen. Daß dieser Wandel sich sukzessive vollzieht, will diese Ausstellung also beweisen. Sie bietet zunächst die Besichtigung der wichtigsten Ergebnisse des „Künstlerreports“, die unter anderem besagen, daß nur 10 Prozent der hauptberuflichen Künstler von ihrer Kunst leben können. Die Daten über die soziale Misere werden hier jedoch nicht lamentierend wiederholt, sondern sie sind flankiert mit einem neuen kulturpolitischen Konzept, das der BBK offensiv kämpfend durchsetzen will. Auf riesigen, teils informativen, teils pfiffig-ironischen Schautafeln werden: deshalb die BBK-Vorstellungen über Änderungen im Bereich „Kunst am Bau“ ausgebreitet, werden neue Berufsfelder für die Künstler gefordert, etwa, die Arbeit mit Schülern, Lehrlingen, Ausländern oder Erwachsenen, in Museen, im Strafvollzug, in der Erwachsenenbildung. Als Instrument, das den Künstlern die dafür nötige Zusatzqualifikation vermittelt, wird schließlich erstmals öffentlich das Modell des „Weiterbildungszentrums“ an der Westberliner Hochschule der Künste vorgestellt. Der Versuch, das neue Selbstverständnis der Künstler an den Kunstwerken selbst zu zeigen, ist dagegen weniger geglückt. Da der BBK das elitäre Auswahlverfahren des Künstlerbunds nicht wollte, entschied man, sich hier, frei nach dem Bundesligaprinzip, für eine Selbstjurierung, die die Verbände von der regionalen über die Landes- bis zur Bundesebene selbst vornahmen. Die ins Finale gelangten Werke ergeben nun eine Mammutschau, gegliedert nach elf Landesverbänden, deren Unübersichtlichkeit jedoch auch den gutwilligen Besucher überfordert. Will man bei der nächsten BBK-Bundesausstellung ein ähnliches Tutti-frutti-Angebot vermeiden, wird man ein anderes Konzept finden müssen. (Kunstgebäude, bis zum 24. Juli, Katalog 12 Mark) Daghild Bartels

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: „Zum Beispiel Villa Romana, Florenz – Zur Kunstförderung in Deutschland I“ (Staatliche Kunsthalle bis 17. August, Katalog 25 Mark)

Essen: „Kunst des Barock in Böhmen“ (Villa Hügel bis 3. Juli, Katalog 20 Mark)