Was in Hamburg in der vergangenen Woche unter dem etwas krampfig-kessen Titel „Literatrubel“ stattfand, auf Plätzen und auf Straßen, in der Markthalle und im Kunstverein, das war mehr als die übliche Bemühung eines Kulturreferenten, auf die Kunst und damit unauffällig auch auf die eigenen Verdienste um die Kunst hinzuweisen; mehr als die üblichen Popularisierungsversuche, Stichwort: Die Kunst dem Volk.

Was in Hamburg wirklich einmal gelang, krampflos beinahe, war die schöne, kurzfristige Versöhnung von Kulturbetrieb und städtischer Betriebsamkeit, von Leben und Bücherlesen. Man konnte Dichtern zuhören und Sängern (vom dicken Erich Fried bis zum melancholischen Wolf Biermann), man konnte auch wieder weghören, Spazierengehen, in der Sonne sitzen, die Kinder hüten, auch wieder zuhören. Es gab viel Streit (so eine vehemente Szene zwischen der Schriftstellerin Struck und dem Kritiker Karasek), aber es gab fast keinen Stunk. Selbst Spannungen entluden sich in entspannter Atmosphäre.

Keine Kultursensation, gewiß nicht, aber ein Erfolg städtischer Kulturpolitik, den man sich merken, von dem man lernen sollte; weil hier (anders als bei Literatur-Zirkussen früher) kein „neuer Kulturbegriff“ gepredigt wurde und man sich auch mit volkstümelndem Entertainment, Jahrmarktsschelmereien, sehr zurückhielt. Schriftsteller läsen, Leute kamen und hörten ihnen zu: die Literatur mußte nicht schreien, um im Freien vernehmbar zu sein. B. H.