Eidgenössische Kleinaktionäre ließen sich überfahren und applaudierten noch dazu

Man kommt sich vor wie ein Hampelmann, wie ein Läppi“, schimpft Jürg Meister, Zürcher Rechtsanwalt und Verfechter der Kleinaktionärsrechte. Denn gleich zweimal wurde in der vergangenen Woche die Ohnmacht Schweizer Kleinaktionäre gegenüber der Bankmacht, dem Depotstimmrecht und einer übermächtigen Verwaltung offenkundig.

Während sich am Wochenbeginn die Kleinaktionäre des drittgrößten Einzelhandelskonzerns Usego noch kräftig zur Wehr gesetzt hatten, zollten am Freitag die meisten Aktionäre der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) ihren Bankmanagern gar Beifall für einen Manipulationsversuch, der sie bei der Ausübung ihrer kümmerlichen Rechte noch behindern sollte.

In der Generalversammlung der Usego, die bereits zum zweitenmal innerhalb eines Jahrzehnts saniert werden mußte, hatten die Kleinaktionäre von vornherein keine Chance, Denn die seit der ersten Sanierung bei der Usego beteiligte Finanzgruppe unter der Federführung der drei Schweizer Großbanken bot knapp drei Viertel der vertretenen Stimmen auf. Zähneknirschend mußte das Fußvolk zur Kenntnis nehmen, daß die Würfel für einen Kapitalschnitt um 60 Prozent schon lange vor der Generalversammlung gefallen waren.

Ohne die Stimmen des Bankenpools, meinte selbst die bankenfreundliche Neue Zürcher Zeitung (NZZ), „hätte die Verwaltung der Usego wohl große Mühe gehabt, sich durchzusetzen“. So aber mußten die düpierten Kleinaktionäre gar zusehen, wie die Banken selbst über Verwaltungsratspräsident Paul Buergi ihre schützende Hand hielten. Buergi hat das Unternehmen zu „einem Scherbenhaufen“ (NZZ) gemacht.

Auf der Tagesordnung der außerordentlichen SKA-Generalversammlung stand als einziger Punkt eine Orientierung über die skandalösen Vorfälle von Chiasso. Die Bank hat bei dubiosen Geschäften mit überwiegend italienischen Fluchtgeldern Riesenverluste erlitten: Schätzungen gehen bis zu einer Milliarde Franken. Unbequeme Anträge von Aktionären weiß man bei der SKA dank einer nahezu unüberwindbaren Statutenhürde abzublocken. Anteilseigner müssen dazu nämlich zuerst einmal Aktien der Bank im Nominalwert von fünf Millionen Franken – selbst bei Namenstiteln gegenwärtig ein Börsenwert von rund 19 Millionen Franken – deponieren. Den Einwand, es handle sich dabei um eine aktionärsfeindliche Maulkorbbestimmung, will SKA-Verwaltungsratspräsident Oswald Äppli nicht gelten lassen: „Die Vorschrift besteht schon seit Jahrzehnten, die eingetretene Inflation hat sie sogar gelockert.“

„In der Substanz eher dürftig“, kommentierte die NZZ die Veranstaltung. Denn viel mehr, als schon vorher in den Zeitungen stand, war bei der ganzen Sache nicht herausgekommen. Das Kleinaktionärsvolk klatschte dennoch munter Beifall. Selbst die Äpplis Referat folgende „Diskussion“ entwickelte sich zur „harmlosen Fragestunde“ (NZZ), in der mehr Lobeshymnen auf die Verwaltung denn echte Fragen zu hören waren.