• Graf Lambsdorff, der sogenannte Kleine Parteitag der FDP hat am Wochenende Beschlüsse zur Energiepolitik gefaßt, die praktisch auf einen dreijährigen Baustopp für Kernkraftwerke hinauslaufen. Halten Sie einen solchen Aufschub für vertretbar?

Lambsdorff: Ich selber habe gegen diesen Antrag gestimmt, weil ich meinte, daß ein Moratorium weder in die energiepolitische, noch in die beschäftigungspolitische Landschaft paßt. Er ist im wesentlichen getragen von Besorgnissen hinsichtlich der Sicherheit der Kernenergie, für die man Verständnis haben muß.

  • Kann oder wird die Bundestagsfraktion der FDP sich den Beschluß des Kleinen Parteitages zu eigen machen?

Lambsdorff: Dazu ist zweierlei zu sagen. Erstens hat der Bundeshauptausschuß ausdrücklich beschlossen, daß die FDP über ihre Haltung endgültig entscheiden soll, wenn das Gutachten der Reaktorsicherheitskommission vorliegt.

Zweitens: Weitere Teilerrichtungsgenehmigungen sind keine Frage der Legislative, sondern eine Sache der Exekutive. Die Bundesminister der FDP haben in der Sitzung des Hauptausschusses darauf hingewiesen, daß sie an Koalitionsvereinbarung und Regierungsbeschlüsse gebunden sind. Der für die Genehmigung zuständige Bundesinnenminister hat erklärt, daß er sich, solange die Regierung ihre Grundsätze nicht ändert, an diese Grundsätze hält.

  • Welche Auswirkungen würde denn ein dreijähriges Moratorium für Kernkraftwerke auf die Energiepolitik haben?

Lambsdorff: Dies läßt sich im Augenblick nicht beziffern. Aber ich befürchte, daß ein Moratorium die Notwendigkeit, die Abhängigkeit vom Öl zu verringern, nicht in genügendem Maße berücksichtigt. In wenigen Jahren werden wir auf dem internationalen Erdölmarkt sehr schwierigen Zeiten – sowohl was die Preissituation als auch die politische Erpreßbarkeit anbelangt – entgegengehen.