Die Marktführer Tchibo und Nestlé bekriegen sich vor Gericht

Rudolf Bossle, Chef der Deutschen Nestlé-GmbH, versteht den deutschen Verbraucher nicht mehr. Statt sich wie Franzosen, Amerikaner, Engländer und Schweizer angesichts der horrend angestiegenen Preise für Bohnenkaffee nun auf den viel billigeren löslichen Kaffee zu stürzen, bleiben die deutschen Hausfrauen ihren kostbaren Bohnen treu.

Um den Deutschen zu mehr Preisbewußtsein und sich selbst zu mehr Absatz zu verhelfen, startete das Frankfurter Lebensmittelunternehmen dieses Frühjahr eine Informationskampagne für Verbraucher. Nur ganze 12,8 Pfennig, so rechnete Nestlé vor, koste eine Tasse von ihrem löslichen Extraktgetränk (Marke: Nescafé), eine Tasse von gemahlenem und aufgegossenem Bohnenkaffee hingegen immerhin 16,3 Pfennig.

Doch die Verbraucher zeigten keine Wirkung. Im Gegenteil. Sie reagierten zwar auf die seit nunmehr zwei Jahren anhaltenden Verteuerungen beim Kaffee. Doch die Devise scheint eher zu lauten: Lieber weniger, dafür aber wie gewohnt. In den ersten fünf Monaten reduzierten sie ihre Bohnenkäufe um drei bis vier Prozent. Doch beim billigeren Instant-Kaffee hielten sie sich noch stärker zurück. Die Deutsche Nestlé konstatierte einen Rückgang von 13 Prozent im gesamten Extraktmarkt. Das Erstaunen von Nestlé, Marktführer bei löslichem Kaffee, ist verständlich, sind doch die Röstkaffeepreise erheblich stärker gestiegen als die Instantpreise.

Wirkungen auf die Nestlé-Verbraucheraufklärung zeigte freilich ein Bohnen Wettbewerber: der Hamburger Großröster und Kaffeefilialist Tschibo. Drei Einstweilige Verfügungen – erwirkt beim Hamburger Landgericht – sind inzwischen gegen den Frankfurter Konzern ergangen. So wurde Nestlé im März verboten, weiterhin in Postwurfsendungen an die Haushalte Qualitäts- und Preisvergleiche anzustellen. In der nachfolgenden, durch den Widerspruch der Nestlé GmbH gegen die Einstweilige Verfügung beim Hamburger Landgericht angesetzten Verhandlung wurde Nestlé dazu verurteilt, die Behauptung zu unterlassen, in ihrem Instantkaffee sei der "Kaffeesatz schon weg".

Anfang Mai ging der Streit zwischen den beiden Marktführern weiter. Die Hamburger Bohnenröster erwirkten erneut eine Einstweilige Verfügung (EV) gegen Verbraucherkampagnen aus Frankfurt zur Erläuterung der Preisunterschiede zwischen Bohnen und Nestlés Kaffeekrümeln. Die Hoffnung der Nestlé-Juristen, das Hamburger Landgericht hätte keine Einwände gegenreine Preisvergleiche, trogen. So erging im Juni schließlich die dritte EV gegen diese und ähnliche Preisvergleiche "im geschäftlichen Verkehr, insbesondere in Presseinformationen sowie auch in der Werbung".

Neu ist der Kampf der Kaffeegiganten allerdings nicht. Schon seit Jahren läßt das Hamburger Röstkaffee-Unternehmen dem Frankfurter Instantkaffee-Produzenten Behauptungen in der Werbung untersagen, die aus dem Bereich des Röstkaffees stammen. Diese könnten, so der Tchibo-Justitiar, beim Verbraucher den Eindruck erwecken, der Extraktkaffee habe vergleichbare Qualitäten wie Röstkaffee.