Fast alle Staaten bessern ihre Finanzen durch deftige Steuern auf Tabak und Alkohol auf. Auch sonst verdient der Staat gern an den Lastern seiner Bürger: In der Bundesrepublik werden die Dirnen besteuert, in Frankreich die Pornographie.

Im Artikel 11 des Haushaltsgesetzes für 1976 taucht erstmals eine Steuer auf, mit der Gewinne aus Produktion, Vertrieb oder Vorführung pornographischer und gewalttätiger Filme belegt werden. Die amtliche Begründung: Statt Pornofilme zu verbieten, belastet man sie mit einer Porno-Abgabe, um das Geschäft mit Nackedeis unrentabel zu machen. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten. Liebhaber lasziver Filme mußten ins Ausland reisen, um die französische Produktion „Emmanuelle II“ zu sehen, weil der Verleih die Steuern nicht zahlen wollte.

Da die Franzosen auf erotischen Kinokitzel nicht ganz verzichten wollen, fällt dennoch so mancher Porno-Franc für die Staatskasse ab. In diesem Jahr rechnet die Regierung mit nicht weniger als elf Millionen Francs (über fünf Millionen Mark) aus dieser Quelle. Bezeichnenderweise entfallen davon zehn Millionen auf importierte Filme. Nicht zuletzt Sex aus deutschen Landen hilft die französische Staatskasse zu füllen. So sind Schulmädchen-, Hausfrauen- und Briefträgerreport letztlich nichts anderes als ein deutscher Beitrag zum Ausgleich des französischen Budgets.

Einfallsreichtum bewies auch ein Künstler namens Fred Forest. In Zeitungsanzeigen forderte er die Leser auf: „Legen. Sie Ihr Kapital unweit der Schweizer Grenze an.“ Im Departement Hoch-Savoyen bei der Gemeinde Filiinges (Nummer 72, Blatt B im örtlichen Kataster) hatte er zusammen mit einer Freundin zwanzig Quadratmeter Grund gekauft, in zwanzig Parzellen aufgeteilt und unter der Bezeichnung „künstlerischer Quadratmeter“ zur Versteigerung angeboten. Forest: „Eine Art der Spekulation, die in ein und demselben System zwei klassische Anlagearten verbindet, die sich in der Vergangenheit bewährt haben: der Kauf von Grund und Boden und der Erwerb von Kunstwerken.“

Als dann aber im Espace Cardin, dem Theater des kunstbeflissenen Modeschöpfers Cardin, das Spektakulum stattfinden sollte, machte die Polizei dem Immobilienkünstler einen Strich durch die gewinnträchtige Rechnung. Nach genauester Untersuchung und stundenlangen Verhören wurde die Auktion verboten.

Der pfiffige Monsieur Forest gab sich aber nicht so leicht geschlagen. Er ließ kurzerhand einen „unkünstlerischen Quadratmeter“ versteigern: ein Stück Stoff zum Einstandspreis von 59 Francs, das er am Eingang zu Cardins Theater auf dem Fußboden ausgelegt hatte, um möglichst viele Schuhabdrücke darauf zu vereinigen.

Forests Rechnung ging auf. Der unansehnliche Fetzen ging für 6500 Francs an einen Sammler. Klaus-Peter Schmid