Schulstreß und Leistungsdruck: Die Schulaufsichten sind kaum mehr Herren ihrer Entscheidungen, seit das Numerus-clausus-Gespenst die Schüler zu ungeliebter Leistungshöhe peitscht; aber unter Druck stehen auch die, die auf die niederen Weihen unseres Bildungswesens programmiert sind, auf den Real- und Hauptschulabschluß. Wird hier nichts Überdurchschnittliches zuwege gebracht, greift gleich einer aus dem nächsthöheren Bildungskanal nach dem begehrten Ausbildungsplatz. Ein Teufelskreis, den jetzt ein Buch von der Seite der Betroffenen her aufzubrechen sucht –

Jürgen vom Scheidt: „Wie schütze ich mich vor Leistungsdruck“; Arena Verlag, Würzburg; 122 S., 12,80 DM.

Um eine Leserhoffnung gar nicht erst kamen zu lassen: Ein Passepartout durch alle Schul- und Prüfungsfährnisse hält der Autor auch nicht bereit. Erst recht im Bildungswesen gilt, daß Wunder eben etwas länger dauern. Sich einzurichten in den Zwängen durch mentales Training: darauf läuft hinaus, was vom Scheidt seinen jugendlichen Lesern (ab 14) anbietet.

Der Autor definiert „Leistungsdruck“ als „jene Einflüsse, die über längere Zeit hinweg auf jemanden einwirken und ihn zu bestimmten Aktivitäten veranlassen, wodurch diese Person in einen Zustand von Dauer-Streß versetzt wird“. Genau in diesem Sinne wirkt die Schule auf den Schüler ein: „In Wahrheit spricht der schulische Alltag allem hohn, was die Psychologen und die Pädagogen inzwischen über die eigentlichen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen wissen“.

Nachdem sich der Autor dergestalt offen auf die Seite der Schüler geschlagen hat, kann er behutsam beginnen, auf die Schwächen der Schüler einzugehen. Begegnen sie dem Leistungsdruck anders als eben dadurch, daß sie ihn bis zur Krankheit verinnerlichen? Diesen entscheidenden Punkt den Ausbildungsabhängigen in allen möglichen Variationen immer wieder vorzuführen, ihnen ohne erhobenen Zeigefinger die Gefahren der Scheinauswege zu zeigen, darin liegt ein wesentliches Moment der psychologischen Wirkung dieses Buches.

Nicht auf die Barrikaden, sondern nach innen geht der geheimnisvolle Weg auch bei der Abwehr des Leistungsdrucks. Vom Scheidt fordert zu scheinbar banalen Spielchen auf: „Versuch bitte einmal, ganz konkret jene Bereiche in der Schule zu notieren, wo dich wirklich der Schuh drückt, so, wie du es persönlich empfindest und erleidest.“

Der Bestandsaufnahme folgt die Situationsanalyse. Vom Scheidt unterscheidet drei Streß-Kategorien: den vermeidbaren, „unnötigen“ Streß; den nur mit Hilfe anderer einkreisbaren Streß; die Streßquellen, auf die mittelfristig kein Einfluß zu nehmen ist. Entsprechend schlägt er Strategien zur Vermeidung oder zumindest doch zur Linderung vor.