Vom „Liquidieren“ sprechen die einen, von „Vergiftung der Atmosphäre“ die anderen; Besonnene warnen vor einem Städtekrieg: Die einen und die anderen, das sind die Bayreuther und die Bamberger, die Ostoberfranken und die Westoberfranken oder, genauer, ihre Lokalspitzen in Politik, Presse und Wissenschaft.

Es geht um die Universität der einen und die Gesamthochschule der anderen. Die Rivalität ist alt zwischen den einst fürstbischöflich-katholischen Bambergern und den einst brandenburgischprotestantischen Bayreuthern, deren Territorien Anfang des 19. Jahrhunderts von den Bayern geschluckt wurden und seither im wesentlichen den Regierungsbezirk Oberfranken bilden – mit Bayreuth als Regierungssitz, was manchem Bamberger noch immer wie ein Stachel im Fleisch des Selbstbewußtseins steckt.

Der Rückgriff ist notwendig, um die jüngste Fehde zu begreifen. Denn 1802, das Jahr der bayerischen Annexion Bambergs, machte nicht nur der Souveränität, sondern auch der traditionsreichen Universität den Garaus. Erst in diesem Jahrhundert kam die Stadt mit einer Pädagogischen sowie einer Philosophisch-Theologischen Hochschule wieder zu akademischen Würden, so daß nach 1945, als durch Kriegs- und Nachkriegswirren etliche Professoren in die Bischofsstadt verschlagen worden waren und zusätzliche geistes- und naturwissenschaftliche, dazu juristische Lehrstühle etablierten, man von der vierten Landesuniversität zu träumen begann.

Diese Träume indes zerrannen. Erneut angefacht wurden sie Ende der sechziger Jahre. Die Bildungskatastrophe und die Möglichkeit zum Nachweis, daß ihre Hochschulpolitik so rückschrittlich nicht sei wie nördlich der Mainlinie behauptet, ließen die bayerische Staatsregierung über Universitätsneugründungen nachdenken. Bamberg meldete Ansprüche an – Bayreuth, ausgestattet mit einer Pädagogischen Hochschule, ebenfalls. Das Gerangel begann.

Argumentierten die Bamberger mit ihren Traditionen, mit vorhandenen Einrichtungen und Gebäuden, verwiesen die Bayreuther auf ihre geographische Lage tiefer im Zonenrandgebiet und auf die Bamberger Nähe zu den Unis Erlangen und Würzburg. Dann wollte man sich einigen auf zwei Teiluniversitäten, Bamberg mehr geisteswissenschaftlich, Bayreuth mehr naturwissenschaftlich orientiert.

Schließlich kam es nach einer entsprechenden Entscheidung des Wissenschaftsrats zu einer ähnlichen Lösung – mit dem feinen Unterschied freilich, daß die Bayreuther sich mit dem Titel „Universität“ schmücken durften, die Bamberger hingegen mit der Bezeichnung „Gesamthochschule“ vorlieb nehmen mußten. Für die westoberfränkische Stätte der Wissenschaft mit ihren Fachbereichen Erziehungswissenschaften, Katholische Theologie, Sozialwissenschaften, Sozialwesen, Philologien sowie Geschichte/Geographie hatte die Sache indes einen Haken. Ihre Ausrichtung und Kapazität war vornehmlich auf ein bayerisches Lehrerbildungsgesetz hin geplant, das mittlerweile nach harten Debatten pro und contra für immer vom Tisch ist. Eine Novellierung, kürzlich vom Landtag verabschiedet, garantiert nun, daß in Bamberg Diplom-Germanisten, -Geographen oder -Historiker für den freien Arbeits-(losen)markt produziert werden können wie in Bayreuth Diplom-Chemiker, -Biologen oder -Mathematiker.

So hätten die beiden feindlichen fränkischen Stadtschwestern allen Grund, zufrieden zu sein. Sollte man meinen. Denn Bayreuth, dessen Ausbauziel ohnedies von 8000 auf 5000 Studenten reduziert worden war, zeigt sich offenbar weniger attraktiv für den Akademikernachwuchs als Bamberg, wo man zudem von den angepeilten 4000 Studienplätzen „nur“ 500 gestrichen hatte. Die Politiker der Richard-Wagner-Stadt sehen die Entwicklung mit Sorge und streben deshalb den Ausbau der geisteswissenschaftlichen Fächer im vollen Umfang an.