Von Rudolf Walter Leonhardt

Der Selbstmord eines Fähnrichs der Hamburger Bundeswehrhochschule, der in zwei Prüfungen durchgefallen war, fand wenig Echo in der deutschen Presse. Selbstmorde gibt es auch anderswo. Dieser jedoch ist wichtig als ein weiteres Symptom: An den Hochschulen der Bundeswehr stimmt vieles nicht mehr.

Der Hamburger Wissenschaftssenator Professor Dr. Dieter Biallas (FDP) weckte schlafende Mücken, als er Anfang Juni das Bundesministerium der Verteidigung daran erinnerte, was im September 1976 bereits angekündigt worden war: Die Prüfungsordnung für die Hamburger Bundeswehrhochschule könne nicht über den 1. Juli 1977 hinaus verlängert werden. (Es gäbe dann also keine Diplome mehr!) Begründung: diese Prüfungsordnung entspreche nicht dem Hochschulrahmengesetz und den „Allgemeinen Grundsätzen für das Prüfungswesen an den Hamburger Hochschulen“.

Sie ist seinerzeit, auch daran muß erinnert werden, nur vorläufig genehmigt worden, um Minister Leber den Spaß nicht zu verderben. Er wollte so gern seinen ersten Bundeswehrhochschulabgängern mit feierlicher Rede die Diplome überreichen. Wie es dann ja auch geschah.

Beanstandet wurde damals wie heute: 1. Es müßten an der Bundeswehrhochschule, die bisher mit einem Prüfer für jede Examensarbeit auskam, wie an der Universität zwei Prüfer eingesetzt werden.

2. Studenten müsse wie an der Universität auf Antrag die Möglichkeit eingeräumt werden, ihre Prüfung um ein Trimester zu verschieben.

Beide Beanstandungen lassen sich vernünftig begründen. Keine ist dem Verteidigungsministerium unzumutbar; mit der Einschränkung vielleicht, daß durch geschickte Manipulation von Prüfungsverschiebungen und Prüfungswiederholungen die mühsam genug aufrechterhaltenen Regelstudienzeiten nicht ad absurdum geführt werden dürfen.