Zum ersten Mal in der Geschichte sitzen ein Ex-Justizminister und ein Ex-Stabschef des Weißen Hauses im Gefängnis.

Er hat die Hand in die Fackel gehalten, um seinen Willen zu prüfen, er bewundert die im Kriege geschlagenen Deutschen^ die heute bessere Autos bauen als die Amerikaner, er hält den schrankenlosen Einsatz der Macht, wo nötig, für so selbstverständlich wie die Benutzung einer Zahnbürste, und er hätte auf jeden Fall jene Tonbänder vernichtet, die Richard Nixon schließlich zu Fall brachten. Aber dieser Präsident war eben „nicht ruchlos genug“, so denkt heute G. Gordon Liddy, der einzige der Watergate-Verschwörer, der sich beharrlich weigert, auch nur ein Wort über seine damalige Rolle zu verlieren.

Für Gordon Liddy war der Einbruch im’Hauptquartier der Demokraten am 17. Juni 1972 ein schlichtes Erkundungsunternehmen. John Dean ist für ihn ein Judas, weil er als ein ehemals enger Berater Nixons Zeugnis gegen den Präsidenten geleistet hat. In den nächsten Tagen muß Jimmy Carter nun entscheiden, ob Gordon Liddy bedingt, das heißt, mit regelmäßiger Meldepflicht beim Sheriff, auf freien Fuß gesetzt werden soll. Begnadigung steht ohnehin nicht zur Debatte, doch prüft das Bundeskriminalamt FBI gegenwärtig, ob nicht vielleicht die vier vor Ort ertappten Watergate-Einbrecher des präsidialen Gnadenerweises teilhaftig werden könnten.

Die „Klempner“ von damals, Exil-Kubaner, halten fest an der Deckung ihres Auftrages „von oben“, denn es sollte ja möglichen Kuba-Verbindungen des Senators McGovern nachgespürt werden. Von Nixon fühlen sie sich verraten, und auch Kissinger gehörte ja eigentlich ins Gefängnis, meint „Ex-Klempner“ Sturgis, der jetzt als Verkaufsmanager einer Druckerei in Miami sein Brot verdient.

Ob Richard Nixon wie die anderen 25 Watergate-Verschwörer hätte vor Gericht gestellt werden sollen, das wird wohl in Amerika für alle Zeit umstritten bleiben. Doch der Vorwurf, die Justiz hänge wieder einmal nur die Kleinen, die Großen lasse sie laufen, kann nicht erhoben werden. Am 22. Juni 1977 mußte zum ersten-, mal in der Geschichte der USA ein Justizminister ins Gefängnis. „Jetzt haben sie dich auch, Big John“, jauchzten lustvoll die Gefängnisinsassen, als der 63jährige John Mitchell die braune Anstaltskleidung und die Nummer 24171-157 in Empfang nahm.

Zwar ist Mitchell bei Montgomery in Alabama in einem Priviligiertengefängnis mit minimalen Sicherheitsvorkehrungen untergebracht worden, wo auch Anwälte und Wirtschaftsmagnaten wegen Steuerhinterziehung und gutartige Jugendliche mit Drogen-Delikten brummen. Aber den Schlafsaal muß er mit 40 Insassen teilen, und für täglich acht Stunden Schreibarbeiten wird er 25 Dollar im Monat bekommen. Papiere führte Mitchell im Köfferchen mit sich; denn er möchte ein Buch schreiben. Schließlich ist von seinen Watergate-Prozessen ein Schuldenberg von dreihunderttausend Dollar zurückgeblieben.

Mit dem 22. Juni begann auch für H. R. Haldeman die Konsequenz des Sturzes, die er sich auf der Höhe der Macht als Nixons Stabschef im Weißen Haus nie ausgemalt haben dürfte. Auch Haldeman sitzt in einer Vorzugs-Strafanstalt. Haldemans Buchvorbereitungen sind weit gediehen. Noch in diesem Herbst will er die, wie er ankündigte, Abrechnung mit seinem einstigen Dienstherrn auf den Markt bringen. Das läßt einen weiteren Watergate-Bestseller erwarten.