Von Ernst Klee

An einem schönen Sommertag wurde in einem Forsthaus in der Eifel eine Gartenparty gefeiert. Mitten im Trubel bricht der Förster Rüdiger R. zusammen. Der Leblose wird in die Bonner Universitätsklinik transportiert. Dort,stellen die Ärzte fest: Tod infolge Gehirnblutung.

Professor Dr. med. Alfred Gütgemann handelt sofort. Er hat auf seiner Abteilung einen 30jährigen Studenten liegen, Diagnose: Leberkrebs. Um ihn zu retten, entnimmt er dem toten Förster die Leber, um sie in siebenstündiger Operation dem Kranken einzupflanzen. Dies war – vor fast genau acht Jahren – die erste erfolgreiche deutsche Leber-Transplantation. Sie hatte ein juristisches Nachspiel, dessen Kernproblem bis heute ungelöst im Raum steht.

Erst zwei Tage nach der geglückten Transplantation erfuhr die Frau des Försters von Journalisten, daß die Leber ihres verstorbenen Mannes einem anderen das Leben gerettet hat. Die Witwe und die Mutter des Verstorbenen beschuldigten den erfolgreichen Operateur der seelischen Grausamkeit. Sie klagten auf Schadenersatz. Sie hatten Anspruch auf eine unversehrte Leiche. Ein anonymer Anzeiger hatte der Bonner Staatsanwaltschaft gar mitgeteilt, der Organspender sei bei der Organentnahme noch gar nicht tot gewesen.

Das Gericht wies die Schmerzensgeldklage der Angehörigen ab. Doch geschah dies aus formalen Gründen, da der Operateur der falsche Adressat einer Klage sei; der richtige sei eher das Land Nordrhein-Westfalen gewesen. Auch habe der Professor nicht vorsätzlich, sondern allenfalls fahrlässig gehandelt.

Dieser Fall macht drei Probleme sichtbar:

  • die Unsicherheit darüber, wann ein Organspender tatsächlich tot ist;
  • die enge Verknüpfung von Organübertragung und Leichenöffnung;
  • die Rechtsunsicherheit bei Obduktion und Transplantation, das heißt, ob die Angehörigen oder die Klinik über den Leichnam zu bestimmen haben.