Die deutsche IBM-Tochter verdient mehr, als Siemens mit Rechnern umsetzt

Walther A. Bösenberg, Vorstandsvorsitzender der IBM Deutschland GmbH in Stuttgart, ist Hamburger: etwas unterkühlt und zurückhaltend, wenn auch verbindlich. Wortkarg wird er, wenn er konkrete Auskünfte über sein Unternehmen geben soll. Nur bei einem Thema zeigt sich Bösenberg redselig und aggressiv: bei der Förderung der Datenverarbeitung in der Bundesrepublik mit öffentlichen Mitteln.

Genüßlich zitiert Bösenberg den Bundesrechnungshof, der jüngst festgestellt hat, daß die seit Ende der sechziger Jahre gewährte Förderung der Datenverarbeitung ein Fehlschlag war. Die Schadenfreude ist verständlich; denn die deutsche IBM, seit Jahrzehnten hier tätig, wird von Bonn als Anhängsel der amerikanischen Muttergesellschaft betrachtet. Und „Amerikaner“ erhalten natürlich keine deutschen Steuergelder vom Ministerium für Forschung und Technologie, das Zukunftsentwicklungen deutscher Unternehmen fördern soll.

Die Unmutsäußerungen über die Bonner Förderpolitik, so kontern allerdings die deutschen Computerhersteller, seien nicht überzeugend. Von staatlichen Geldern habe nämlich auch die amerikanische Industrie profitiert. Zwar gab und gibt es in Amerika kein Datenverarbeitungs-Förderprogramm, doch dafür staatliche Beschaffungsprogramme. Allein im Rahmen der großen Raumfahrt- und Rüstungsvorhaben erhielten amerikanische Unternehmen Aufträge in Milliardenhöhe, bei denen sie Forschung und Entwicklung vorantrieben. Von den dabei gewonnenen Erkenntnissen profitieren sie dann im zivilen Bereich – auch auf dem deutschen Markt.

Ohnehin kann den IBM-Managern die ganze Diskussion um das deutsche Förderprogramm ziemlich egal sein; denn dessen Größenordnung ist für amerikanische Maßstäbe geradezu winzig. Von 1967 bis 1976 sind den deutschen Computer-Herstellern insgesamt 1,15 Milliarden Mark zugeflossen (Anwendern und wissenschaftlichen Instituten zusätzlich 1,4 Milliarden). Das ist in zehn Jahren nicht einmal der Betrag gewesen, den die deutsche IBM 1976 verdient hat. Der staatliche Förderbetrag des letzten Jahres von 150 Millionen Mark für die deutschen Hersteller entspricht gerade einem Fünftel des Dividendenbetrages, den IBM in Stuttgart an die amerikanische Mutter ausgeschüttet hat.

Die Dividende entspricht wiederum nur knapp der Hälfte des ausgewiesenen Bilanzgewinns, der mit 1,3 Milliarden Mark höher ist als der Umsatz des größten deutschen Computerherstellers, der Siemens AG. Der Elektrokonzern (Umsatz 1976 insgesamt 20,7 Milliarden Mark), der in die Computerentwicklung bereits zwei Milliarden Mark investiert hat und davon 500 Millionen Mark aus öffentlichen Mitteln erhielt, muß dennoch weiter Verluste in diesem Geschäftsbereich hinnehmen.

Die deutsche IBM holt ihren Milliardengewinn aus dem Verkauf und Vermieten von Computern, Serviceleistungen und ihrem Geschäftsbereich Textverarbeitung, zusammen sechs Milliarden Mark Umsatz. Ihre Bilanz spiegelt eine Finanzkraft, wider, von der die besten deutschen Unternehmen nur träumen können. So sind jährlich Investitionen zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Mark für Sachanlagen bei IBM auch kein finanzielles Problem.