Der sommerliche Wetterbericht könnte kaum trostloser sein. Was derzeit von Wirtschaftswissenschaftlern, Bankiers und Politikern, Gewerkschaftern und Unternehmern über die absehbare konjunkturelle Entwicklung in Deutschland verbreitet wird, macht kaum Hoffnung auf wesentliche Besserung. Die Aussichten: unfreundlich.

Die verarbeitende Industrie, so ermittelte das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in seinem jüngsten Konjunkturtest, verspürte im Mai keine Impulse, die zur Produktionssteigerung führen könnten. Die Auftragsbestände haben sich sogar verringert. Die Zahl der Beschäftigten, so folgern die Münchner Konjunkturforscher, werde denn auch weniger stark zunehmen, als in dieser Jahreszeit üblich. Was im Inland fehlt, wird aber der Industrie wieder, einmal aus dem Ausland zuteil. Im weiteren Jahresverlauf erwartet Ifo sogar „expansive Impulse“, so daß die reale Warenausfuhr das Vorjahresergebnis um sieben bis acht Prozent übersteigen dürfte.

Wenig Hoffnung signalisieren auch die Konjunkturexperten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Zwar erwartet man an der Förde eine „Fortsetzung des Konjunkturaufschwungs“. Doch voller Skepsis wird die Situation am Arbeitsmarkt beurteilt: Im Jahresdurchschnitt werde die Zahl der Arbeitslosen nicht unter 950 000 absinken, ja, die Millionengrenze wird im kommenden Winter erneut überschritten. Die Kieler Wirtschaftsforscher befaßten sich auch mit der Ursache der lang anhaltenden Arbeitslosigkeit: die Lohnabschlüsse im ersten Halbjahr 1977. Es müsse damit gerechnet werden, daß die gestiegenen Lohnkosten zu Verlusten von Arbeitsplätzen führen werden.

Deutlichere Töne ließ die Gemeinschaft zum Schutz der deutschen Sparer vernehmen. „Zu hohe Tarifabschlüsse in den letzten Jahren“ seien die wesentliche Ursache für die Arbeitslosigkeit, sagte Ludwig Poullain, Vorsitzender dieser Gemeinschaft, die die Verbände der Kredit- und Versicherungswirtschaft vereint. Poullains besondere Kritik galt der Regierung, die die Abschlüsse der Tarifpartner „kritiklos“ hingenommen, ja sogar als „verantwortungsbewußt“ bezeichnet hätte. Schlimmer, noch: Durch den „überzogenen Konjunkturoptimismus“, der von „amtlicher Seite“ vertreten worden sei, seien die Gewerkschaften ermuntert worden, ihre Lohnforderungen in die Höhe zu schrauben, die Widerstandskraft der Unternehmen sei unterhöhlt worden.

Eher diffus mutet dagegen an, was Politiker, Unternehmer- und Arbeitnehmervertreter der Europäischen Gemeinschaft in der sogenannten „Dreierkonferenz“ zu diesen Themen einfiel. Beobachter verzeichneten eine „Fülle von Erklärungen guten Willens zur Überwindung der Wirtschaftskrise“ sowie eine Wiederholung bestens bekannter Standorte. So faßte denn selbst der Konferenzvorsitzende, der britische Schatzkanzler Denis Healey, als Ergebnis zusammen: „Christmas cake“ – ein Weihnachtskuchen, von allem etwas. gf