Später Protest

Eine für CSU-Verhältnisse ungeheuerliche Nestbeschmutzung leistete sich der ehemalige bayerische Innenminister Bruno Merk. Die CSU-Kritik am Arbeitsmarktprogramm der CDU veranlaßte ihn unter anderem zu dem Tadel, abgedruckt im Bayernkurier: „Hier muß doch geradezu der Verdacht entstehen, daß es eben nicht mehr um die Sache, sondern um eine Auseinandersetzung mit der CDU geht.“ Die Erklärung für diesen Leserbrief liegt nicht allein in der Tatsache, daß Bruno Merk, Gegner des Kreuther Beschlusses, jetzt Minister a. D. und wohlbestallter Präsident des Bayerischen Sparkassen- und Giroverbandes ist; es gibt offenbar auch eine breite Strömung in der Partei, der die nationale oder gar europäische Rolle der CSU übertrieben und gefährlich erscheint.

Einig auf dem Venusberg

Auch der Zufall führte Regie. Der Plan war zwar alt, aber der Augenblick für ein. Treffen führender Politiker der Koalitionsparteien hätte kaum günstiger gewählt werden können als für den Freitagabend voriger Woche. Erstmals in dieser Form hatte der SPD-Vorsitzende Willy Brandt einen solchen Kreis in sein Haus am Venusberg geladen: die stellvertretenden Parteivorsitzenden Schmidt und Koschnick, Fraktionschef Wehner, Geschäftsführer Bahr, für die FDP, Hans-Dietrich Genscher, Wirtschaftsminister Friderichs, Fraktionschef Mischnick, Ronneburger und Geschäftsführer Verheugen. Zweck des Plauschs: die Dialogfähigkeit in der Koalition zu fördern. Wenige Stunden zuvor war die Etat-Debatte zu Ende gegangen, die beide Seiten, als entscheidenden Beitrag zur inneren Stabilisierung empfanden. Und Kanzler Schmidt hatte im Plenum erstmals von einer „geschichtlichen Legitimation dieser Koalition“ gesprochen; er hat diese Feststellung auch nach dem Gespräch am Venusberg nicht widerrufen.

Tödlicher Test

Die „Neutronen-Bombe“, die vielleicht einmal das Arsenal amerikanischer Truppen in Europa vervollständigen wird, ist bereits (Laboratoriums-) Wirklichkeit. Sinn der Strahlenbombe (Kodename: Cookie Cutter“ – „Plätzchenstecher“) ist die möglichst rasche Beseitigung menschlichen Lebens ohne Zerstörung von Kriegsgerät und Gebäuden wie bei herkömmlichen Atomwaffen. Wieviel Gamma-Neutronen braucht man aber, um einen Menschen zu töten? Diese Frage wird zur Zeit mit Hilfe von Test-Affen des Pentagons beantwortet. Die Affen wurden mit einer Energie von 4600 rads bestrahlt (bei einer Röntgenaufnahme der Zähne absorbiert ein Mensch im Vergleich ein rad). Nach acht Minuten konnten 80 Prozent der Affen ihre Tretmühlen nicht mehr bedienen; nach sieben bis 132 Stunden war die gesamte Test-Herde nicht mehr am Leben.

Rabbiner-Alptraum

Besondere Sorgen mit dem Wachstum der Bevölkerung haben die orthodoxen Rabbiner in den Vereinigten Staaten. Nicht, weil ihnen die Arbeit über den Kopf wächst. Im Gegenteil: Sie befürchten über kurz oder lang arbeitslos zu werden. Deshalb erging von der Zentral-Konferenz Amerikanischer Rabbiner die Aufforderung an ihre jüdischen Mitbürger, mehr Kinder in die Welt zu setzen, „weil es einfach nicht genug von uns gibt, um das Überleben künftiger Generationen zu sichern“. In 100 Jahren, so sehen es die Rabbiner schon kommen, „wird es nur noch eine Handvoll Juden geben. Die anderen werden verschwunden sein – Opfer von Assimilation, Mischehen, Indifferenz und vor allem niedrigeren Geburtenraten.“