Warum kommen plötzlich Räuber, Mörder, Geiselgangster aus unseren Familien? Es kann an den Kindern nicht liegen und nicht am Liberalismus.

Aber wir haben „Freiheit“ zum Selbstzweck verkommen lassen, haben Freiheit nicht sozial gebunden an „Verantwortung“.

Auch wenn mich alle Pseudo-Liberalen steinigen: Wir müssen wieder erziehen, klar und eindeutig! Ringsum in aller Welt werden Kinder ideologisch gedrillt und manipuliert, wird ihnen eingetrichtert, daß wir Imperialisten, Kapitalisten, Rassisten, Faschisten und so weiter seien. Wir aber verzichten nicht nur mit Recht darauf, ein ähnliches Feindbild zu schaffen; wir verzichten sogar darauf, demokratische Wertvorstellungen unseren Kindern zur Orientierung mit auf den Weg zu geben.

Amerikanische Pädagogen und Soziologen haben sich schon längst gefragt: Wie entsteht, vom Kleinstkind bis zum Schulabgänger, politische Bildung?

Die ersten Erzieher sind auch politisch die Eltern. Alle Kinder erleben Politik zunächst emotional und personal. Kinder erleben grundsätzlich so ihre frühkindliche Umwelt. Noch amerikanische Grundschulkinder lieben Flagge und Hymne, halten den Bürgermeister und den Präsidenten für „lieb“ und respektieren den Polizeibeamten, weil Vater langsamer fährt, sobald er ihn sieht; und Vater ist sonst dem Kinde der Stärkste!

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, daß amerikanische Eltern ihre Kleinkinder ein besseres Amerika lehren als das wirkliche, mit dem sie sich selbst viel kritischer und skeptischer auseinandersetzen. Warum? Die Eltern wollen, daß ihr Kind zunächst einmal Vertrauen in die Welt gewinnt, daß es Ja sagt zu seinem Leben und seiner Zukunft. Kritische Informationen kommen mit jeder Altersstufe dazu, und allmählich wird aus dem Kinde ein skeptischer Jugendlicher, doch mit Verständnis für typische amerikanische Probleme, für eine Gesellschaft, die viele Nationen, Rassen, Sekten und Subkulturen zu integrieren hat.

Familie und Grundschule haben nicht nur in den USA dem kindlichen Weltbild politische Informationen oft in Vorurteile verpackt. Ich habe nach dem Kriege ein zehnjähriges Mädchen erlebt, das nicht Englisch lernen wollte, weil sein „Papi“ in einem britischen Lager saß. Als nach der Junirevolte 1953 zahlreiche Gymnasiasten aus der DDR zu uns flüchteten, stellten wir zwei Russischlehrer neu ein, doch die jungen Leute weigerten sich, die Sprache ihrer Militärdiktatur weiterzulernen. In diesen Kindern und Jugendlichen drohten frühkindliche Erfahrungen bereits zu festen Feindbildern zu erstarren.