Rettet sich MBB-Chef Ludwig Bölkow in den Aufsichtsrat?

Fast tausend Gäste feierten Ludwig Bölkow im repräsentativen Werkskasino in Ottobrunn bei München, doch dem Chef des größten deutschen Luft- und Raumfahrtkonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH war an seinem 65. Geburtstag nicht recht nach Feiern zumute. Er hatte eben an diesem Tage erfahren, daß sich die Mehrheit der Gesellschafter bei ihrer nächsten Versammlung am 18. Juli einer Verlängerung seines Vertrags über den 31. Dezember dieses Jahres hinaus widersetzen würde.

Nicht zu Unrecht argwöhnte der „Technosoph“ auf dem Managerstuhl, daß ihn gerade jener Mann abhalftern wolle, der seit einem knappen Jahr dem Aufsichtsrat von MBB vorsitzt und nun als Gastgeber der Mammutgeburtstagsparty fungierte: Ludwig Huber, bis vor kurzem bayerischer Finanzminister und nunmehr Präsident der Bayerischen Landesbank.

Huber rühmte in der ihm eigenen blumigen Redeweise die „ausgeprägte Persönlichkeit“ des Jubilars und seine großen Verdienste beim Aufbau des Unternehmens, und er machte ihn zunächst glauben, daß es auch künftig kaum ohne ihn gehe: „Wer Sie näher kennt, weiß, daß für Sie eine rückblickende Bestandsaufnahme keine Abschlußbilanz sein kann, sondern daß Sie bereit und in der Lage sind, weitere bedeutende Aufgaben zu meistern.“ Dann aber deutete Huber vorsichtig an, daß er das nicht gar so wörtlich gemeint habe: „Ich kann nur hoffen, daß Ihre Erfahrungen und Ihr Rat auch über das 65. Lebensjahr hinaus in geeigneter Form dem Unternehmen zur Verfügung stehen.“

Ludwig Bölkow bedankte sich zuerst artig für die „gut zusammengestellte Rednerliste und die vielen Lobesworte“, aber dann brach er in eine bewegte Klage aus: „Das ist die größte Enttäuschung meines Lebens, daß sich um mein Verbleiben solch ein Streit entzündet hat, den ich gar nicht verstehen kann.“ Besonders betrübe ihn, daß dieser Streit auch mitten durch den Betriebsrat hindurchgehe. „Ich kann nachts gar nicht mehr schlafen.“ Aber, so schloß er: „Die Freude am Geleisteten läßt diese Enttäuschung vergessen.“

Doch nach Vergessen ist Ludwig Bölkow nicht zumute. Er sagt allen, die es hören wollen, wie verletzt er über die neuen Querelen in den MBB-Gremien ist. Auch Franz Josef Strauß, so hört man, soll ihm inzwischen bestätigt haben, daß bei der Geburtstagsfeier „gelogen wurde, daß sich dieBalken bogen“.

Starke Kräfte im Aufsichtsrat waren schon vor Jahren bemüht, dem genialen Techniker Bölkow einen „Kopiloten“ an die Seite zu stellen, der ein kaufmännisches Gegengewicht sein sollte. Hubers Versuch, vor über drei Jahren Jürgen Krackow – einst 66-Tage-Krupp-Boß – als präsumptiven Nachfolger nach Ottobrunn zu schicken, konnte Bölkow damals gerade noch abwehren. Aber als sein 65. Geburtstag herannahte und er sich noch Hoffnungen auf eine Verlängerung seines Vertrags machte, da betrieb Huber von neuem eine Berufung Krackows.