Von Horst Kerlikowsky

Die Zeit der „Whizzkids“ ist vorbei. Diese jungen Zauberkünstler des Managements, die mit ihrer Dynamik nur so an die Spitze von großen Unternehmen „zischten“ und so ihren Spitznamen erhielten, sind nicht mehr gefragt. Zumeist haben sie in der Krise versagt.

Führungsposten in der Wirtschaft werden heute wieder am liebsten mit erfahrenen, über 45 oder gar 50 Jahre alten Männern besetzt. Diese Entwicklung beobachtet seit einiger Zeit die amerikanische Gruppe Boyden International, die über ihre 26 Büros in aller Welt für Unternehmen Top-Manager sucht und jährlich 400 bis 500 Positionen besetzt.

Die Abkehr vom Jugendkult ist in allen Ländern zu registrieren – und es ist nicht die einzige Veränderung auf der internationalen Management-Szene. Wie der Vizepräsident der europäischen Hauptniederlassung der Boyden International S. A. (10, rue de la Scie, CH-1207 Genf) der Engländer Nicholas P. Lamb, bei einem Gespräch erläuterte, haben sich auch die Anforderungen an die Führungskräfte verändert.

Vor sieben bis acht Jahren war noch die große Zeit der Finanzfachleute. Inflation und floatende Wechselkurse, die in aller Welt Manager und Aktionäre verunsichert hatten, machten sie zu den gesuchten Leuten. Mit dem Konjunkturabschwung kam dann die Periode der „Controller“, die als „Sparkommissare“ in den Unternehmen Kosten senken sollten. Seit einigen Monaten jedoch gehen die Boyden-Mitarbeiter auf Jagd nach verkaufsorientierten Managern, die Unternehmen aus der Stagnation führen sollen.

Selbst für ein so etabliertes und erfahrenes Unternehmen wie Boyden (es ist das älteste auf diesem Gebiet) ist es zur Zeit manchmal fast unmöglich, qualifizierte Führungskräfte zu finden; denn Top-Manager wechseln heute nur noch ungern eine sichere Position. Zu viele von ihnen scheuen das Risiko, seit sie in der Krise beobachten müßten; daß Chefsessel häufig von heute auf morgen neu besetzt wurden.

Sprangen vor fünf Jahren noch Führungskräfte von einem Unternehmen zum anderen, nur weil sie glaubten, dadurch schneller an die Spitze eines Unternehmens zu gelangen, so klammern sie sich heute geradezu an ihren Sessel. „Wenn sie in der neuen Position nicht mindestens 25 Prozent mehr verdienen können“, so die Erfahrung von Boyden-Vizepräsident Lamb, „sind sie kaum noch zu einem Wechsel zu bewegen.“