Anfang kommender Woche wird sich entscheiden, was die Bundesbahn mit rund 1500 Facharbeitern tun wird, die sie nicht so recht zu beschäftigen weiß: Der Sitzung des Personalausschusses der Frankfurter Bundesbahn-Hauptverwaltung am Montag folgt am Dienstag eine Zusammenkunft des Bahn-Verwaltungsrates. Am häufigsten in der Berichterstattung erwähnt wurde bisher die Überlegung, diese Facharbeiter vorübergehend auszuleihen – etwa an die Automobil-Industrie (siehe auch Seite 24: Manager SC Märkte); dieser Überlegung dürften sich weder das Bundesverkehrsministerium, wo die Eisenbahner Personal-Abteilungsleiter Horst Weidmann kontaktiert haben, noch die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit in den Weg stellen.

Doch es sind auch andere Überlegungen im Spiel, die das Bahn-Präsidium unter Wolfgang Vaerst für gleichwertig halten dürfte. Die wichtigste (und vom Bundesverkehrsministerium am höchsten eingeschätzte): Prämien bis zu 30 000 Mark pro Mann für alle kündigungsbereiten und in überbesetzten Betriebseinheiten beschäftigten Arbeitnehmer. Die Prämie wäre also annähernd doppelt so hoch wie die der Automobil-Hersteller VW, Opel und Ford im Jahre 1974.

Ohne Prämien würde freilich auch die Ausleih-Aktion kaum funktionieren, denn es läßt sich schwer vorstellen, warum Bundesbahn-Facharbeiter ihren gemütlichen Job sonst quittieren sollten. Das würde eine teure Angelegenheit, die aber angeblich immer noch billiger ist als eine Beschäftigung bei der Bahn selbst.

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Daß Steuerpflichtige dem Staat gern weniger geben möchten, als er von ihnen verlangt, ist alltäglich. Daß aber auch einer, der nicht steuerpflichtig ist, mit seinem Los unzufrieden ist; dürfte eine Ausnahme sein. Zu diesen Ausnahmen gehört die Deutsche Siedlungs- und Landesrentenbank (DSLB), deren stellvertretender Vorstandsvorsitzender Hermann Sehrbrock soeben den neuesten Geschäftsbericht der DSLB veröffentlicht hat. Die dem Bundeslandwirtschaftsministerium nahestehende Bank, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, braucht keinerlei Steuern vom Einkommen und vom Ertrag zu bezahlen – das Mag ihr etwa 15 Millionen Mark jährlich ersparen.

Dieses Gescheik aber muß die DSLB nach den Worten ihres Vorstandsmitgliedes Otto-Ernst Starke teuer bezahlen: durch äußerste Restriktion ihrer geschäftlichen Möglichkeiten. Viele Kreditgeschäfte, die sie eigentlich gern tätigen würde, um so zu der ihr verordneten „Förderung des ländlichen Raums“ beizutragen, muß sie privaten Banken überlassen, weil sich nur wenige potentielle Kunden ihre strengen Vorschriften zur Darlehenssicherung gefallen lassen wollen.

Auch an dieser Tatsache wird deutlich, wie dringend erforderlich eine Reform im Bereich der Banken des Bundes ist, der sich bislang mal dieser und mal jener Minister widersetzt hat. Landwirtschaftsminister Josef Ertl hätte vermutlich nichts dagegen, die DSLB ein bißchen mehr auf der freien Wildbahn des Kreditgeschäfts grasen zu lassen. Anderer Ansicht aber ist Bundesfinanzminister Hans Apel: Da die DSLB für viele Geschäfte Bundesgarantien erhält, achtet er vor allem auf Sicherheit. Freilich: Auch der Bundesgarantien würden die öffentlichen Banker gern entraten.