Die Frau legt beide Hände auf den Bügel ihrer Handtasche, und ihr Mann hat seine Hände im Schoß. Sie sitzen nebeneinander in der U 9. Die Frau blickt auf meine Schuhe und wirft dann einen Blick auf die Schuhe ihres Mannes. Sie scheint auf einen Blick von ihm zu warten. Der kommt ihr aber zu spät, und sie flüstert, ohne den Kopf zu bewegen: „Du hättest auch deinen Schirm mitnehmen sollen.“

Ihr Mann blickt auf den Schirm eines Mannes, der auf der anderen Seite sitzt. Der Mann hat seine rechte Hand auf den Griff gelegt, und wenn die Bahn bremst, dreht er den Griff solange zurück, bis der Wagen steht. Die Frau blickt auf die Hände ihres Mannes, sie hatten sich auch bewegt; aber jetzt legt er sie übereinander. Und die Frau flüstert „Man kann doch auch mal mit der U-Bahn fahren, du willst ja nachher was trinken, ich nicht.“

Ihr Mann sagt: „Wo ist denn eigentlich mein Schirm?“ Die Frau flüstert: „Da, wo er immer ist, aber den siehst du ja gar nicht mehr.“ „Was soll man auch im Auto mit einem Schirm?“ sagt ihr Mann. Er blickt geradeaus, und seine Frau umschließt mit beiden Händen den Bügel ihrer Handtasche und blickt auch geradeaus. Dann flüstert sie: „Und sage es deinem Schwager gleich, daß wir was dazulegen, wenn Rolf bauen will. Ich würde es aber ruhig laut sagen, damit sie es alle gleich wissen.“ Ihr Mann sagt: „Das muß doch nicht gleich sein.“ Und sie flüstert: „Dann haben wir es hinter uns und können auch ganz anders auftreten.“

Ich muß umsteigen. In der U 3 sitzt mir wieder ein Ehepaar gegenüber. Der Mann hat einen Blumentopf auf seinem Schoß, und seine Frau zupft an dem Papier. Zwischen ihnen liegt ein Dackel, und wenn der Dackel die Frau ansieht, streichelt sie ihn. Aber sie kommt nur mit ihren Fingerspitzen an sein Fell, und der Dackel sieht sie immer wieder an. Dann flüstert die Frau: „Herrchen bleibt mit dir nachher unten, aber ihr stellt euch so hin, daß Irmgard es vom Fenster aus sehen kann.“

Der Dackel sieht den Mann an, aber der kann, ihn nicht streicheln, weil er den Blumentopf festhält. Und die Frau sagt zu ihrem Mann: „Man gut, daß ich die Pflanze gestern schon gekauft habe, die Frau da mit ihrem Blumenstand vor dem Krankenhaus hat keine Topfpflanzen, bei der gehen nur Schnittblumen.“ Ihr Mann sagt: „Den Blumenstand möchte ich haben.“ Seine Frau sagt: „Was du nicht alles haben willst. Und in dem Krankenhaus liegen jetzt Ausländer. Die beiden da vorn waren letzten Sonntag auch da zu Besuch, denen sieht man gar nichts mehr an, wo sie eigentlich herkommen. Das sind Türken.“ „Das ist doch nur rein äußerlich“, sagt ihr Mann, „und für die ist jetzt auch Sonntag wie für uns.“

Der Dackel sieht mich an. Ich will ihn streicheln, aber da happt er zu. „Beißen tut er nicht“, sagt die Frau, „oder hat er doch gebissen?“ Ich sage: „Er sah mich nur immer so an, und da dachte ich, streichle ihn doch auch mal; aber der paßt auf, der läßt sich nicht von jedem streicheln.“ „Ja, paß du man auf“, sagt die Frau und streichelt ihn wieder. „Wir sind ja versichert“, sagt ihr Mann, „und wenn es nach mir ginge, hätten wir einen Boxer. Der nächste ist ein Boxer, entweder ein Boxer oder es ist Schluß.“

„Da kommt ein Schäferhund“, sage ich, „aber der ist noch nicht ganz ausgewachsen.“ „Wenn das eine Hündin ist, kann nichts passieren“, sagt die Frau. „Sehen Sie mal, wie die beiden sich beschnuppern, ja, das ist eine Hündin.“ „Wir müssen raus“, sagt der Mann und gibt seiner Frau den Blumentopf und nimmt den Dackel auf den Arm, und die Frau sagt zu dem Schäferhund: „Wenn du auch aussteigen mußt, kannst du noch draußen mit ihm spielen, dann ist er auch ruhiger, wenn er nachher mit Herrchen unten vor dem Krankenhaus warten muß.“