Unaufhaltsam sind sie im Vormarsch, die kleinen elektronischen Käfer. Sie tragen ihren Namen nicht zu Unrecht, und die integrierten Schaltkreise sehen tatsächlich aus wie kleine, bissige Insekten. Elektronische Chips, so behauptet man, werden in Kürze in jeden Winkel unseres Lebens vorgedrungen sein. Den Schulkindern stehen sie jetzt schon in kindgerechter Anwendungstechnik zur Verfügung.

Ihren Siegeszug begannen die Chips in den Taschenrechnern. Jeder weiß, welch dramatischen Preisverfall die kleinen Zauberrechner in den letzten Jahren erlebt haben. Wer auf sich hält, besitzt natürlich so ein kleines Einmaleinsmaschinchen. Folgerichtig prophezeit man uns auch, daß wir zu einer Generation von tipptastensicheren Vollidioten werden. Wer kann schon Kopfrechnen? Unsere Kinder lernen nicht einmal mehr das kleine Einmaleins. Doch schon sind die industriellen Retter auf dem Plan. Der Little Professor schafft, woran der Pauker elend scheitert. Es gibt den Anti-Rechner für Kinder.

Die Tastatur ist mit. einem schnauzbärtigen Pop-Gesicht und angedeuteten Pfötchen umfriedet. Der Taschenrechner soll einen richtigen Professor darstellen.

Der Little Professor dient nicht dazu, die leidigen Rechen-Hausaufgaben der Sprößlinge zu rationalisieren. Man kann mit ihm nämlich gar nicht richtig rechnen. Im Gegenteil: Er läßt rechnen.

Zunächst einmal muß man ihn einschalten – wie jeden anderen Rechner auch. Nun wird eine der vier Grundrechenarten gewählt. Dazu stellt man auf einer Schiebeskala die Schwierigkeitsstufe von eins bis vier ein. Dann gibt man ihm einen Startschuß, und schon erscheint im Anzeigefeld eine Aufgabe. 51 + 62 = ? Natürlich 123. Doch tippt man dieses Ergebnis ein, so folgt professorale Schelte. Mit diesem Resultat will er sich nicht zufrieden geben. Man versucht es noch mal: 116. Doch auch das schmeckt ihm nicht. Ein dritter Versuch: 112. Wieder falsch. Dem elektronischen Lehrer reißt die Geduld. Er zeigt kurz und trocken das richtige Ergebnis an und stellt die nächste Aufgabe.

Nach zehn Aufgaben ist die Lektion zu Ende. Der Little Professor schreitet zur Notenverteilung. Wild blinkend zeigt er an, wieviele Aufgaben aus der Zehner-Serie richtig gelöst waren. Ansporn, die nächste Serie in Angriff zu nehmen – oder den Schwierigkeitsregler um eine Stufe herunterzusetzen. Kein Ergebnis überschießt die 999. Und wer zu lange über einem Problem brütet, dem zeigt der Rechenmeister, was Geduld und Sparsamkeit heißt. Bis auf einen kleinen leuchtenden Kontrollpunkt wird die Anzeige ausgeblendet, um Batteriestrom zu sparen.

Das Gerät hat bei uns zu Hause einen enormen Härtetest erfolgreich bestanden. Es hat bereits mehrere Monate in den Händen meines Sohnes ausgehalten – und funktioniert immer noch. Nicht nur das, das Spielzeug erschöpfte sich nicht – im Reiz der Neuheit, es wird immer wieder herausgezogen – und sei es auch nur dazu, es im Freundeskreis als Prunkstück vorzuführen und auszuprobieren.