Die beiden Wochen nach den spanischen Parlamentswahlen waren durch eine außergewöhnliche Hektik gekennzeichnet. Wahlleiter zählten immer noch Stimmen aus, während die Politiker im Baskenland und Katalonien die ersten Schritte zur Autonomie planten.

Gleichzeitig war Ministerpräsident Suárez vollauf beschäftigt, die lose „Union des demokratischen Zentrum?“ UCD in eine Partei umzuformen und die Aufgaben der Ministerien neu zu ordnen. Die Sozialisten genossen ihren Wahlerfolg, mußten aber auch feststellen, daß dadurch ganz neue Organisationsprobleme auf sie zukommen. Und die spanischen „Eurokommunisten“ waren damit ausgelastet, sich gegen die Angriffe Moskaus zu wehren.

Dieser ganze Trubel verhinderte eine zur gige Regierungsbildung und verzögerte den Beginn der dringenden Diskussion über das Problem Nummer eins des iberischen Königreichs: die ernste Wirtschaftskrise. Mit Spannung wurde deshalb der Name des Chefs des Wirtschaftskabinetts erwartet, der so schnell wie möglich der Inflation (fast 30 Prozent), der Arbeitslosigkeit (knapp unter der Million-Grenze) und der Handelsbilanzlücke (neun Milliarden Dollar) zu Leibe rücken soll.

Zwischenzeitlich ist das Rennen um den Wirtschaftsministerposten gelaufen: Als Sieger ging Enrique Fuentes Fernandez durchs Ziel. Ihm fällt die Aufgabe zu, ein umfassendes Wirtschafts- und Sozialprogramm auf die Beine zu stellen, das von den politischen Parteien und Tarifpartnern akzeptiert wird.

Spanische Experten glauben zu wissen, was das Programm für die nächsten zwei Jahre beinhalten muß, wenngleich der Teufel im Detail steckt: eine Abwertung der Pesete, Einschränkung der Einfuhren, Förderung der Exportindustrie, eine durchgreifende Steuerreform, Investitionsanreize für die Privatwirtschaft, gezielte Finanzspritzen des Staates für die notleidenden Wirtschaftszweige und Regionen und eine Art Stillhalteabkommen für Löhne und Gewinne.

Dieses letzte Ziel ist freilich am schwersten zu erreichen. Trotz des Zusammenschlusses mehrerer Arbeitgeberorganisationen zu einem Dachverband und des Mitgliederzustroms, den die „Arbeiterkommissionen“ CCOO und vor allem die „Generalunion der Arbeiter“ UGT nach dem Wahlerfolg der sozialistischen Bruderpartei PSOE zu verzeichnen haben, sind beide Tarifparteien inmitten einer Konsolidierungsphase. die ihre Zeit braucht. Die Mitgliederzahlen der CCOO und der UGT liegen immer noch jeweils unter 500 000. Das schränkt den Handlungsspielraum der Spitzengremien ein und erschwert den Abschluß eines sozialen Paktes.

Nicht leicht wird es die spanische Regierung auf dem internationalen Parkett haben. Westeuropa und die Vereinigten Staaten stehen zwar noch zu ihrer verbindlichen Zusage, einem demokratischen Spanien ökonomisch unter die Arme zu greifen. Aber ob den schönen Worten jetzt auch Taten folgen, steht in den Sternen.

Das Anklopfen Madrids an die EG-Tür wird nicht lange auf sich warten lassen. Die EG dagegen wird sich wohl viel Zeit mit einem „Herein“ lassen, da die Begeisterung dafür, sich neue wirtschaftliche Probleme aufzuladen, gering ist. Daß Spanien Europa braucht, ist in Madrid unumstritten – nun kommt es darauf an, auch die EG von den Vorteilen einer Mitgliedschaft Spaniens zu überzeugen.