Hervorragend

"Ragtimes". Nach den zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker machen nun sechs "Philharmonische Cellisten Köln" auf sich aufmerksam mit einem ungewöhnlichen Programm. Auf der einen Seite der Platte hört man sie Ragtimes (und Verwandtes) spielen, wunderschöne alte originale Stücke von Fats Waller, James Scott, Dave Brubeck und Joseph F. Lamb; sie tun es auf eine soignierte, witzige Weise. Auf der anderen Plattenseite haben sie sich den allmählich immer ernster genommenen Brasilianer Heitor Villa-Lobos (1887–1959) vorgenommen, und zwar die (Bach huldigenden) "Bachianas Brasileiras Nr. 1 for orchestra of Violoncelli" sowie die heitere lautmalerische "Kleine Eisenbahn von Caipirá". Auf einem beigefügten Blatt (Dank dafür) werden den Zuhörern das Was, Warum, Wieso erklärt und die Absicht bekräftigt, den Graben zwischen U- und E-Musik zu ignorieren: als eine bloß eingebildete Trennungslinie. Die Cellisten beweisen es mit Erfolg. (Philharmonische Cellisten Köln, Leitung Werner Thomas; Wergo spectrum SM 1016)

Originell

Tristan Honsinger, Maarten van Regieren: "Live Performances". Wer zu wissen meint, was ein Cello ist und ein Kontrabaß und wie Musik darauf klingt (und niemals gehört hat, was etwa der Cellist Siegfried Palm seinem Instrument mit moderner Musik abgefordert hat), wird hier sein schön arrangiertes Hörbild in Unordnung bringen lassen müssen. Was der Cellist Honsinger und der Kontrabassist van Regteren mit ihren großen Geigen aufführen, ist immer ein bißchen anders als gedacht. Sie streichen, zupfen, reißen, klopfen und brummen dazu. Ob die Musik, die die zwei Jazzmusiker machen, Jazz ist oder nicht, ist ziemlich gleichgültig; sie verlangt nur Aufmerksamkeit für Spiel- und Klangetüden, vor allem Neugier, auch etwas Geduld. (Free Music Production/Bellaphon SAJ-10)

Hörenswert

Steve Kuhn and Ecstasy: "Motility". Man hat Lust, von diesen ganz unaufdringlich, manchmal kaum bemerkbar jazzigen Stücken wie von Geschichten zu sprechen, in denen Klavier (Steve Kuhn), Saxophon und Flöte (Steve Slagle), Baß (Harvie Swartz) und Schlagzeug (Michael Smith) ihre Rollen haben. Die Titel hören sich unter anderen so an: Der Regenwald; Meere am Himmel; Catherine; Bittersüße Passagen; Tiefer Tango; Tanz für einen; Plätze, die ich nie gesehn. Das Klangszenarium ist leicht impressionistisch gefärbt, aber kräftig und rhythmisch bisweilen sehr energisch durchgeformt. Man ist gleichermaßen beeindruckt von der thematischen Einfallskraft wie von der niemals eitlen Virtuosität dieses glänzenden Ecstasy-Quartetts. (ECM 1094)

Manfred Sack