Kurt Geyer erinnert sich

Von Peter von Oertzen

Kurt Geyer war eine der Schlüsselfiguren des linken Flügels der USPD zwischen 1918 und 1921; seine Erinnerungen über diese Zeit zeichnen den Weg dieser politischen Gruppierung über ihre verschiedenen Stationen aus eigener Kenntnis nach: Der Einfluß auf die Generalstreikbewegung im Februar/März 1919; der Weg der USPD im Jahre 1919 nach links; der Kampf um die Betriebsrätegesetzgebung 1919/20; die Spaltung der Partei im Streit um den Anschluß an die III. Kommunistische Internationale (Komintern) im Herbst 1920; die Vereinigung des linken Flügels mit der KPD; der Konflikt mit dem Herrschaftsanspruch der Bolschewiki und der Komintern; der Bruch des größten Teils der alten linken USPD-Führerschaft mit der KPD im Jahre 1921. An jedem dieser Ereignisse war Kurt Geyer führend beteiligt; über sie legt er persönliche Rechenschaft ab.

Wie alle Memoiren sind auch die Geyerschen subjektiv und sagen mindestens ebensoviel über den Verfasser wie über die geschilderten Begebnisse:

Kurt Geyer: „Die revolutionäre Illusion. Zur Geschichte des linken Flügels der USDP. Erinnerungen“; herausgegeben von Wolfgang Benz und Hermann Graml; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1977; 304 S., 28,– DM.

Hinzukommt, daß Geyer die Niederschrift erst als alter Mann im Jahre 1963, also mehr als vierzig Jahre danach, begonnen hat, so daß ihm trotz aller Bemühungen um Sorgfalt eine Reihe von Erinnerungstäuschungen unterlaufen sind. Glücklicherweise korrigieren die Herausgeber mit detaillierten und reich dokumentierten Anmerkungen diese Irrtümer und fügen auch sonst viele wertvolle Erläuterungen hinzu. Ein übersichtliches und kenntnisreiches Vorwort des USPD-Historikers Robert F. Wheeler ordnet die Geyerschen Erinnerungen in den gegenwärtigen Forschungsstand der Geschichte dieser Zeit ein. Auf diese Weise werden die Schwächen des Memoirenwerkes kompensiert; seine Stärke: Die oftmals faszinierend geschriebene anschauliche Schilderung dramatischer geschichtlicher Ereignisse durch einen unmittelbar und führend beteiligten Zeitgenossen tritt ungeschmälert hervor.

Ein „Parteiintellektueller“