Von Esther Knorr-Anders

Die Straße verlief in einer scharfen Kurve. Autos jagten vorüber. Auf dem schmalen Gehweg kam mir ein Mann entgegen. Ihn fragte ich nach dem „Haus der Heilsarmee“.

„Haus? Heilsarmee? So was gibt es hier nicht.“

„Es ist das Obdachlosenasyl, eine ehemalige Kaserne. Jetzt heißt es Nichtseßhaftenheim.“

„Ach, zu den Pennern wollen Sie. Warum sagen Sie das nicht gleich. Sind Sie von der Heilsarmee? Dort drüben, der miese Kasten ist es. Jede Nacht Krawall. Na, viel Vergnügen. Wie Sie rüber kommen, weiß ich nicht. Sehen Sie zu, daß Sie ’ne Ampel finden.“

Solange ich konnte, hielt ich den Atem an. Währenddessen versuchte ich, mit dem Geruch, der Düsternis und dem Anblick der im „Durchgang“, einem schlauchähnlichen Flur, kauernden Gestalten zurechtzukommen. Der Mann im vergitterten Pförtnerzimmer öffnete die Sprechklappe. „Kapitän Schyl erwartet Sie. Erster Stock, letztes Zimmer. Wünschen Sie Begleitung?“ „Weshalb denn?“

Kapitän Schyl saß in einem engen, mit Aktenordnern, Papierbergen und Büchern vollgestopften Zimmer. Er bewegte sich mit gelassener Zufriedenheit, überzeugt von seiner Aufgabe. Auf den roten Kragenspiegeln blieb mir das silberne H in Erinnerung. Im Verlauf des Gesprächs erfuhr ich über die Heilsarmee und die Arbeit im Nichtseßhaftenheim folgendes: