Die NASA schreibt schon das Kursbuch für die Fluglinie zum All

Von Anatol Johansen

Satelliten am Gängelband, große propellerförmige Gebilde, die Astronauten im Weltraum aufsteigen lassen – Pläne der NASA. Wird die Raumfahrt jetzt kindisch?

Der an einem hundert Kilometer langen Seil hängende künstliche Erdsatellit ist kein Spielzeug. Damit nämlich könnten Astrophysiker endlich dort den erdnahen Weltraum erforschen, wo Ballons nicht mehr hinreichen, Satelliten jedoch wegen der Bremsung durch die Erdatmosphäre nicht frei kreisen können: in Höhen Zwischen 80 und 120 Kilometern. Und die gewaltigen Propeller mit Durchmessern bis zu 14 Kilometern sollen von der Partikelstrahlung der Sonne, vom sogenannten Sonnenwind, angetrieben durch das All segeln; sie würden keinen Treibstoff benötigen und für die wissenschaftliche Erkundung des Sonnensystems eingesetzt werden.

Beide Geräte, der Kunstmond am Seil und die durch das Sonnensystem segelnde Raumsonde, sollen, sofern man sie wirklich bauen wird, vom wieder verwendbaren Raumtransporter, dem Space Shuttle, aus gestartet werden. Mit diesem Weltraumflugzeug, das wie eine Rakete startet, doch in der Manier normaler Passagierjets landet, will die NASA 1980 die erste Weltraum-Linie einrichten. Zwar ist noch nicht an tägliche Flugverbindungen Erde–Weltraum gedacht. Doch bei den vorgesehenen 560 Flügen in den Jahren 1980 bis 1982 kommt man schon auf fast einen Flug pro Woche.

Inzwischen laufen die Vorbereitungen für die Space Line auf Hochtouren. Das Shuttle selbst wird derzeit bereits auf Flügen innerhalb der Erdatmosphäre getestet, wobei es allerdings noch auf dem Rücken eines Jumbo-Jets vom Typ noch ing dem gefesselt bleibt. Frühestens Ende Juli wird es erstmals von seinem Trägerflugzeug ausgeklinkt werden, um selbst im Gleitflug zur Erde zurückzukehren. Doch während die Flugerprobung gerade erst begonnen hat, wird bei der NASA bereits an einem Weltraum-Kursbuch gearbeitet, in dem die Preise sowohl für den Personen- als auch für den Güter-Verkehr festgelegt werden sollen. Dieses Tarifwerk soll allen an Raumreisen Interessierten im September dieses Jahres vorgelegt werden. Doch die Grundpreise sind heute schon bekannt. Für amerikanische Behörden, die europäische Weltraumorganisation ESA und für Kanada wird ein Shuttle-Flug für 16,1 Millionen Dollar zu haben sein. Dies allerdings ist schon ein Diskontpreis, weil sowohl die ESA (mit dem bemannten Raumlabor Spacelab) als auch Kanada (mit einem Greif arm, den das Shuttle zum Aussetzen von Satelliten braucht) auf eigene Kosten erhebliche Beiträge zum Raumtransport-Programm geleistet haben. Andere Kunden müssen dagegen erheblich tiefer in die Tasche greifen: Sie dürften zwischen 19 und 21 Millionen Dollar hinzuzublättern haben, wenn sie das Raum-Flugzeug mit seinem rund 18 Meter langen Stauraum – Durchmesser fünf Meter –, für einen Flug anmieten wollen. Dagegen kommen die amerikanischen Militärs bei der NASA fast mit einem Spottpreis davon: Ganze 12,2 Millionen Dollar werden ihnen pro Flug abverlangt.

Das erstmals aufgelegte Weltraum-Kursbuch wird jedoch auch zu klären haben, was der Stückgut-Verkehr, bei dem sich eine Reihe von Kunden den Laderaum teilen, kosten soll. Auch die Frage in welche Höhe die Nutzlast transportiert werden soll, spielt eine Rolle – je höher desto teuerer.