Die Dreieckskooperation auf dem Sektor der Entwicklungshilfe, eine Zusammenarbeit von Öl- und Industrieländern in der Dritten Welt, hat sich entgegen allen Erwartungen inzwischen etabliert.

Als Egon Bahr 1974, damals noch deutscher Entwicklungshilfeminister, eine neue Variante internationaler Entwicklungshilfe ins Spiel brachte, wurde er von der Bonner Opposition als Utopist abqualifiziert. Der entwicklungspolitische Sprecher der CDU, der Bundestagsabgeordnete Jürgen Gerhard Todenhöfer, jedenfalls hielt Bahrs Idee von der Dreieckskooperation – entwicklungspolitische Zusammenarbeit von Öl- und Industrieländern in der Dritten Welt – für äußerst unrealistisch.

Inzwischen liegt ein Erfahrungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor. Das Ergebnis ist unerwartet: Deutschland und Frankreich spielen eine führende Rolle in der dreiseitigen Zusammenarbeit.

Am Anfang hatte die Idee gestanden, Ölgeld-Überschüsse der reichen Ölländer und Know-how der Industriestaaten gemeinsam zu Entwicklungsinvestitionen in armen Entwicklungsländern zu nutzen. Ganz so lupenrein sehen die Dreieckskooperationen in der Praxis allerdings nicht aus. Wo immer sich die Ölländer mit ihrem Geld an gemeinschaftlichen Entwicklungshilfeprojekten beteiligen, pochen sie darauf, daß sich die industriellen Know-how-Geberebenfalls finanziell mitbeteiligen. Das hat gute Gründe: Nur so haben die Ölländer eine gewisse Gewähr dafür, daß nicht allein mit. ihrem Geld herumexperimentiert wird. Beteiligen sich die Industrieländer auch finanziell; so gelten die Projekte als vertrauenswürdig.

Inzwischen gibt es etwa 70 Entwicklungsprojekte, die von Ölländern gemeinsam mit anderen. Nicht-Ölländern finanziert werden. Das Finanzierungsvolumen. liegt derzeit bei 4,6 Milliarden Dollar, wovon 1,9 Milliarden aus den Kassen der OPEC-Staaten flossen.

Partner der Dreieckskooperationen sind in den seltensten Fällen je ein Öl- und Industrieland. Die Verantwortung ist meist auf mehrere Schultern verteilt. Allein an 50 Projekten ist neben arabischen Banken und Ländern sowie den Industriestaaten auch noch die Weltbank beteiligt. Unter den OPEC-Ländern ist Kuwait das Land, das sich am häufigsten engagiert. Bei fast der Hälfte aller Dreiecksprojekte sind die reichen Kuwaitis dabei. Weit danach folgen Saudi-Arabien (zwölf Projekte), Libyen (drei), Katar und Iran (je zwei).

Die Bundesrepublik ist an etwa einem Viertel der Vorhaben beteiligt, elf Projekte sind in Arbeit, bei neun weiteren liegt von deutscher Seite bereits ein positives Votum vor. Insgesamt handelt es sich um ein über mehrere Jahre yerteiltes finanzielles Engagement der Bundesrepublik in Höhe von knapp 500 Millionen Dollar.