Bei den Europameisterschaften der Springreiter in Wien hatte er gefehlt, weil sich jüngere Reiter für dieses Turnier zu qualifizieren vermochten. Beim CHIO in Aachen fehlte er, weil er zur Zeit nur junge Pferde hat, für die dieser Parcours zu schwer war. Er selbst, der Oldtimer der deutschen Springreiter, wird mehr denn je gebraucht: Hans Günter Winkler, 50 Jahre alt, der erfolgreichste Reiter „aller Zeiten“.

Nach der Europameisterschaft von Wien, bei der die deutsche Equipe nur eine Bronzemedaille in der Mannschaftswertung gewann, machte sich Unmut breit in der Öffentlichkeit. Das sei denn doch wohl zu wenig, hieß es, „nur“ eine Bronzemedaille und sonst nichts. Und man fragte nicht mehr allein nach Hartwig Steenken, der ins Profi-Lager abgewandert war, man fragte auch nach Hans Günter Winkler, der nun wieder aufrückte in der Gunst der Zuschauer, die auf ihrem Bildschirm bei der Übertragung aus Wien nur einen bescheidenen Abklatsch deutscher Reiter-Herrlichkeit zu sehen bekamen. Und man fragte: was wäre gewesen, hätte Hans Günter Winkler in Wien mitreiten können?

Diese Frage setzte allerdings eine andere voraus: Will ein Hans Günter Winkler überhaupt noch weitermachen?

„Ich bin noch fit“, sagt er, „das Reiten macht mir noch Spaß. Und solange das so ist und ich damit Erfolg habe, werde ich auch weitermachen.“

Aber für Moskau 1980, da hatte Hans Günter Winkler immerhin schon seinen vorprogrammierten Abschied gegeben. Bleibt’s dabei? Winkler: „Im Grunde ja; aber ich bereite jetzt ein paar jüngere Pferde für internationale Aufgaben vor; deshalb soll man nie absolut ‚nein‘ sagen.“

Ehrgeizig war er immer. Daß der erfolgreichste deutsche Springreiter allerdings diesen Mammut-Parcours durch drei Jahrzehnte ohne wesentlichen Leistungsschwund bewältigen konnte, lag natürlich nicht nur an seinem Ehrgeiz. Da war das überdurchschnittliche Talent – und die Liebe zur Kreatur.

Letzteres vor allem unterscheidet Hans Günter Winkler, ein reserviert auftretender, vorsichtig tastender und spröde wirkender Gesprächspartner, von vielen deutschen Springreitern, die Jahr für Jahr wieder ins Gerede kommen, weil sie den Erfolg um jeden Preis suchen und weil für sie das Pferd in erster Linie Objekt und kaum noch Gefährte ist. Man mag Hans Günter Winkler arrogant nennen, eigenbrötlerisch, egoistisch oder egozentrisch, wobei mancherlei Urteil vorschnell und ungeprüft kolportiert worden ist, doch niemand wird sich erinnern können, den Namen Winkler auch nur ein einziges Mal im Zusammenhang mit Tierquälereien gehört zu haben.