Nach dem britischen Fangverbot In der Nordsee wird der Hering knapp und teuer.

Marx-Henning Rehder, Chef der Unilever-Tochter „Nord-see“ Deutsche Hochseefische-rei GmbH:

  • Herr Rehder, aus der Fischwirtschaft kommen schlechte Nachrichten für den Verbraucher. Wegen des britischen Hering-Fangverbotes für ein halbes Jahr, so heißt es, seien jetzt drastische Preiserhöhungen zu erwarten. Wie ist Ihre Prognose?

Rehder: Diese Prognose zu stellen, ist gar nicht einfach. Aber eine derartig dramatische Verknappung des Herings, wie sie jetzt zu befürchten ist, muß zu Preiserhöhungen führen, weil, sich ganz einfach die Lücke zwischen Bedarf und Angebot vergrößern wird. • Wieviel Hering kam bislang aus dem jetzt gesperrten Gebiet in der Nordsee?

Rehder: Der deutsche Markt verbraucht im Jahr etwa – das schwankt von Jahr zu Jahr 230 000 bis 250 000 Tonnen Hering. Reichlich die Hälfte des Bedarfs kommt aus den jetzt gesperrten Fanggebieten der Nordsee. Der andere Teil kommt aus dem Bereich der westbritischen Inseln, der irischen See und wird importiert überwiegend tiefgefroren aus den skandinavischen Ländern, aus Kanada und den USA.

  • Grund für das britische Fangverbot ist, daß man die überfischten Heringsbestände schonen will, ihnen Zeit geben will zur Erholung und Vermehrung. Ist das nicht vernünftig? Denn auch ohne Verbot hätten ja Ihre Fischdampfer immer weniger Heringe in diesem Gebiet gefangen. Ist das richtig? Rehder: Ja, das ist richtig. Es ist uneingeschränkt zu bejahen, daß der Hering in der Nordsee seit Jahren überfischt wird. Und wir haben – jetzt spreche ich für die deutsche Seefischerei – Maßnahmen, die zur Abwendung dieser Überfischung und zu einer Bestandserhaltung führen sollten, immer unterstützt. Es ist aber leider so, daß andere Nordseeanrainer diesen Maßnahmen nicht gefolgt sind.
  • Wer zum Beispiel?

Rehder: Insbesondere Dänemark. Und hier spielt auch hinein, daß unserer Auffassung nach ein unvertretbar hoher Prozentsatz der Fänge nicht für den menschlichen Konsum, sondern für die Fischmehlfabrikation verwendet worden ist. Das ist einfach Raubbau an den Beständen gewesen. Jetzt erhalten wir die Quittung für diese jahrelange Mißwirtschaft.