Sehenswert

„Fahrstuhl zum Schafott“ von Louis Malle. Nach 15 Jahren wieder im Kino: Malles erster Spielfiln (1957, mit Maurice Ronet und Jeanne Moreau), der dem damals Fünfundzwanzigjährigen den begehrte! „Prix Louis Delluc“ einbrachte. Geschickt verbindet Malle in diesem Thriller die Tradition der französischen „serie noire“ mit den Einflüssen des amerikanischen Genrefilms. Henri Decaes Kamera zeichnet das Porträt eines nächtlichen Paris, das seltsam düster, fremd und abweisend erscheint: Eine bedrohliche Falle, wo ein verlassenes Bürohochhaus, ein steckengebliebener Fahrstuhl zur Metapher für das Gefangensein in einem geschlossenen System wird. Die kalkulierte Kühle der Inszenierung, akzentuiert doch durch die Musik von Miles Davis’ Modern Jazz Quartet, offenbart allerdings auch Malles Hang zu modischer Glätte, die viele seiner späteren Filme charakterisiert. Helmut W. Banz

Beachtlich

„Fisch oder Fleisch“ von Yves Robert. An den Erfolg von „Brust oder Keule“ anhängen will sich wohl der Verleih, der diesen zwanzig Jahre alten Schwarz-Weiß-Film (Originaltitel: „Ni vu, ni connu“) jetzt erstmals in die deutschen Kinos bringt: Starkomiker Louis de Funès als liebenswerter Landmensch ‚der mit Mutterwitz und Bauernschläue vertrottelten Polizisten und verknöcherten Honoratioren laufend Schnippchen schlägt, um ein verschlafenes Provinznest auch außerhalb der gesetzlichen Jagdsaison mit Wild aus Wald und Wasser zu versorgen. Regisseur Robert („Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“) persifliert mit leiser Selbstironie in der angenehm angestaubten Komödie, der die übertourte Hektik späterer Funes-Filme fehlt, Hypokrisie und Opportunismus des ländlichen „french way of life“. Rolf Thissen

Mittelmäßig

„Der Prinz und der Bettler“ von Richard Fleischer, dem Mark Twains moralisches Märchen vom Rollentausch zwischen Bettlerjungen und Thronerben im England des 16. Jahrhunderts („The Prince and the Pauper“) zum ebenso aufwendigen (acht Millionen Dollar) wie unpersönlichen Mammutspektakel mißrät. Trotz der Mitarbeit des „Flashman“-Autors George MacDonald Fraser am Drehbuch ist wenig verblieben vom ironischen Witz des Originals. In diesem bunten Star-Vehikel drückt Ernest Borgnine auf die Dickens-Tube, liefert Rex Harrison „sophisticated comedy“, stilisiert George C. Scott seinen Part zur Parodie der „Beggar’s Opera“ und mimt Charlton Heston seinen Heinrich VIII., als gälte es, in einem provinziellen Shakespeare-Wettbewerb den ersten Preis zu holen. Oliver Reed, der immerhin noch einen Hauch von Mantel-und-Degen-Spaß vermittelt, weckt Erinnerungen an Errol Flynn, der 1937 in dieser Rolle brillierte. Raquel Welch fällt vornehmlich durch ihre kalifornische Sonnenbräune auf, und die Doppelrolle des bei Twain 10jährigen Tom Canty/Prince Edward spielt der 19jährige Mark Lester. So bietet wenigstens die Interpretation einiges an (unfreiwilliger) Ironie. Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Der Stadtneurotiker“ von Woody Allen. „Eine Frau unter Einfluß“ von John Cassavetes. „Yü Gung versetzt Berge“ von Joris Ivens und Marceline Loridan. „Der amerikanische Freund“ von Wim Wenders.