Frankfurt/Main

Gestern noch für hervorragende Verdienste um die innere Sicherheit von Kriminalbeamten mit dem „Bullen-Orden“ ausgezeichnet, heute vom Chef in die Wüste geschickt: Das ist das Auf und Ab im Leben der Frankfurter Oberstaatsanwältin Adelheid Werner, in der Unterwelt „Babydoll“ genannt.

Eine attraktive junge Frau an der Spitze eines Sonder-Dezernats, zuständig für Schwerpunktkriminalität – da konnten die Drehbuchautoren nicht widerstehen. Doch nun schlug der Chef zu: Der Leiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Dietrich Rahn, versetzte die erfolgreiche Gangsterjägerin vom öffentlichkeitsträchtigen Dezernat 13 in die Anonymität eines schlichten Buchstabendezernats (numero 12). Alltagskriminalität steht jetzt auf dem Dienstplan, und Ada Werner ist sauer. Meister Rahn sieht es jedoch anders: Es wäre ungerecht und unangemessen, so meint er, zwischen den Dezernaten Qualitätsunterschiede zu machen. Schließlich tue jeder auf dem Platz, auf den er gestellt ist, sein Bestes.

Aber Ada Werner hat gegen die Versetzung Einspruch eingelegt. Sie ist – das ist die eigentliche Geschichte – unabhängig von unterschiedlichen Bewertungsmaßstäben bei der Beurteilung von Dezernaten eine Albert-Osswald-Geschädigte. Und das kam so: Zwei Jungs ihrer Truppe (die Staatsanwälte Zahl und Koch) erschienen eines schönen Tages in der Zentrale der skandalumwitterten Hessischen Landesbank (Helaba) und interessierten sich intensiv für Akten, die jene privaten Darlehensgeschäfte betrafen, die Osswald als Ministerpräsident und Vorsitzenden des Helaba-Verwaltungsrates Kopf und Kragen gekostet hatten. Woher sie den Tip hatten, ist bis heute ihr Geheimnis. Kein Geheimnis konnte es hingegen bleiben, daß nichts strafrechtlich relevantes zutage gefördert werden konnte.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Dietrich Rahn ist nun der Meinung, diese Panne einer spektakulären Ermittlungsaktion, die wie eine Seifenblase zerplatzte, hätte man der Frankfurter Staatsanwaltschaft ersparen, können, wenn ihn Adelheid Werner vorher informiert hätte. Auf Grund seiner Erfahrung hätte er dann empfohlen, „immer langsam mit den jungen Pferden“ umzugehen. Die für Wirtschaftskriminalität zuständige Abteilung seines Hauses hätte vermutlich sofort erkannt, daß an der Osswald-Geschichte nichts dran ist.

Gerüchte und Vermutungen, die Abteilung 13 habe eingegriffen, weil Gefahr im Verzuge gewesen sei, den „Fall Osswald“ gleicher als gleich zu behandeln (das Wirtschaftsdezernat hat das Verfahren später eingestellt) weist Rahn mit Nachdruck zurück: „Der Untersuchungsausschuß des Landtages hat bestätigt, daß das Verfahren Helaba–Osswald objektiv und ohne Ansehen der Person geführt worden ist.“ Nicht der Schein eines Verdachtes sei übrig geblieben.

Der Behördenchef sieht nun „das notwendige Vertrauensverhältnis gründlich gestört“. Von den Aktivitäten der Abteilung 13 habe er erst aus der Presse erfahren und nach außen (entgegen seinen eigenen Intentionen) das Unternehmen decken müssen. „Gerade weil die Arbeit dieser Abteilung nicht mit dem Millimetermaßstab gemessen werden kann, muß ein besonderes Fingerspitzengefühl vorausgesetzt werden“, erläutert das hessische Justizministerium die Vorgänge in der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Die „Umsetzung in eigener Verantwortung“ wird von der Wiesbadener Aufsicht voll gebilligt.