Nach dem Commerzbank-Index sind die deutschen Aktienkurse in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 2,3 Prozent gestiegen. Verglichen mit den optimistischen Prognosen, die der Börse am Jahresbeginn gestellt wurden, ist das ein glatter Reinfall. Davor konnte auch die Körperschaftssteuerreform nicht bewahren. Bisher hat sie sich nicht als Börsenzugpferd erwiesen. Doch die Haussiers geben die Hoffnung nicht auf. „Jetzt ist der Augenblick günstig, das Depot aufzustocken“, werben die Concentra-Manager.

Tatsächlich spricht eine Reihe von Fakten für zumindest stabile Aktienkurse. Von der Konjunkturseite erwartet niemand mehr Enttäuschungen; weil inzwischen alle Illusionen dahin sind. In einem Jahr ohne Wahlen geben sich sogar die amtlichen Stellen realistisch. Bei einigen in nebenstehender Tabelle verzeichneten Unternehmen sind die Gewinnschätzungen für 1977 nach unten revidiert worden. Weitere negative Überraschungen werden kaum noch erwartet. Jetzt darf wieder gehofft werden.

Seit einigen Tagen geben in einigen deutschen Standardwerten die Ausländer wieder den Ton an. Der schwache Dollar- und Pfundkurs läßt Hinweise auf mögliche Änderungen der Währungsparitäten erkennen. Die Ausländer wollen zweimal verdienen. Einmal an den Aktien, zum anderen an der Mark. Ein schon mehrere Male bewährtes Rezept.

Vieles spricht dafür, daß die Bundesbank weiter auf die Zinsen drücken wird. Eine Diskontsatzsenkung wird nicht ausgeschlossen. Wenn auch schwer vorstellbar ist, daß der Kapitalmarktzins noch viel weiter unter 6 1/2 Prozent zurückgenommen wird, so kann es dennoch von der Zinsseite für den Aktienmarkt weitere Impulse geben. Sicher ist, daß das Geld reichlich bleiben wird. Die Voraussetzung für stabile Aktien- und Rentenkurse!

Zweifelhaft ist, ob die Börsenrenner des ersten Halbjahres auch die der restlichen sechs Monate sein werden. Die Autoaktien, deren Index seit Januar um 11,4 Prozent gestiegen ist, erscheinen allmählich als ausgereizt, auch wenn der Autoboom zur Zeit noch ungebrochen ist. Möglicherweise schwenken die Großanleger jetzt auf Bankaktien um, deren Kurse seit Jahresbeginn um 5,3 Prozent gesunken sind. Den bisher vorliegenden Zwischenberichten ist zu entnehmen, daß das Kreditgewerbe im allgemeinen in diesem Jahr gut verdient. Die im Gange befindlichen Gebührenerhöhungen zeigen an, daß die Banken rentabilitätsbewußt sind und sich dafür in der öffentlichkeit auch kritisieren lassen. Die Börse scheint diese Haltung zu honorieren. In den letzten Tagen stiegen die Kurse der Bankaktien.

Auf der Minus-Seite blieben die Aktien der Warenhaus-Konzerne, bei denen die Zeiten wirklich guter Gewinne vorüber sind. Vergleichsweise sind die Kurse der Warenhaus-Aktien immer noch hoch, wie zum Beispiel das Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 23,8 bei Horten zeigt. Großchemie-Aktien werden nur mit dem 7- bis 8fachen des geschätzten Jahresgewinns bewertet.

Rätsel gibt weiterhin die AEG-Aktie auf. Ob der Gewinn von 4,50 Mark je Aktie in diesem Jahr wieder anfällt, ist keineswegs sicher. AEG-Chef Cipa hat einige. von ihm zunächst selbst genährte Illusionen auf der letzten Hauptversammlung zerstören müssen. In den letzten Wochen lag das Papier unter Druck. Sein Sturz wäre noch tiefer gewesen, wenn interessierte Stellen nicht demonstrativ gestützt hätten.