Der sowjetische Cellist Mistislav Rostropowitsch, der sich seit 1974 im Westen aufhält, will in seine Heimat zurück – allerdings nur, um ein Gastspiel mit den Washingtoner Philharmonikern zu geben, deren Chefdirigent er jetzt ist. An eine endgültige Heimkehr denkt er nicht. Rostropowitsch befürchtet „Auftrittsverbote“ und „Totschweigen“.

Herr Rostropowitsch, müssen Sie bald in die Sowjetunion zurück? Ihr Ausreisevisum läuft doch in diesen Tagen ab.

Meine Regierung hat mir soeben das Visum bis zum 25. März 1978 verlängert. Ich hatte freilich darum gebeten, es um drei Jahre zu verlängern.

Eigentlich, Herr Rostropowitsch, müßte Ihrer Regierung doch daran gelegen sein, Ihr Visum zu verlängern, denn Leute wie Sie, die in aller Öffentlichkeit für die Menschenrechte in der UdSSR eintreten, schätzt man in der Sowjetunion nicht allzu sehr.

Ich habe mir die Freiheit genommen, die Wahrheit zu sagen oder das, was ich als Wahrheit ansehe. Und das werde ich auch weiterhin tun – ganz gleich, ob es irgendeiner Regierung paßt oder nicht. Ich werde also im nächsten März wieder zur sowjetischen Botschaft gehen und um eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung bitten. Denn ich möchte meine Arbeit im Westen fortsetzen.

Sie haben einmal gesagt „Rußland nicht verlassen zu dürfen, ist keine Strafe. Die wahre Strafeist, nicht nach Rußland zurückkehren zu dürfen.“ Befürchten Sie, nicht mehr in Ihr Heimatland zurückkehren zu können?

Ich habe nach wie vor meinen russischen Paß. Ich werte das als einen großen Fortschritt in unserem Lande. Ich durfte ausreisen und kann wohl auch wieder zurück. Aber ich will erst zurück, wenn mir die Möglichkeit gegeben wird, mein ganzes Können, meine ganze Kunst zu entfalten. Ich gehe zurück, wenn es in meinem Lande volle künstlerische Freiheit gibt.