Wodurch Kinder sich unterdrückt fühlen

Bei Eintritt in die Pubertät versucht fast jeder junge Mensch – wie auch junge Tiere in der Herde – auf der Rangstufenleiter der Familie emporzusteigen. Dadurch kommt es zu „Rangkämpfen“ des Kindes mit denen, die einen höheren Rang innehaben, also den Eltern. Da das Kind zwangsläufig verlieren muß, sieht es in dem Verhalten der Eltern eine Unterdrückung. Von Seiten der Eltern wird dieses Aufbegehren gegen die elterliche Vormachtstellung sehr oft als Flegelei hingestellt und mit meist gravierenden Strafen belegt. Dadurch wird das Verlangen des jungen. Menschen, endlich in ranghöhere Positionen aufzurücken, verstärkt. Diese Schwierigkeiten enden, sobald der Sohn oder die Tochter als vollwertiges Mitglied der Familie anerkannt wird.

Tomas Bolik, 17 Jahre

Die Formulierung der Frage ist in keiner Weise objektiv, denn die Unterdrückung der Kinder durch ihre Eltern wird hier als bewiesene Tatsache hingestellt. Alle Welt spricht vom „armen, unterdrückten Jugendlichen“ – darüber vergißt man die sicher zahlreichen Jugendlichen, die mit ihren Eltern bestens auskommen. Auch ich fühle mich nicht von meinen Eltern Unterdrückt, was jedoch nicht heißt, daß ich mit allen elterlichen Entscheidungen zufrieden bin. Aber zwischen kurzfristiger Unzufriedenheit und Unterdrückung ist ein gewaltiger Unterschied.

Jakob Fäßler, 15 Jahre

Unterdrückung ist ein zu heftiger Ausdruck für die Verunselbständigung vieler Kinder durch ihre Eltern. Dieses „Bemuttern“ lassen sich die meisten Kinder bis zu einem Alter von zwölf Jahren gefallen. Dann bekommt man ein Gefühl von Unfreiheit und wird aggressiv, wenn man ständig am selbständigen Handeln gehindert wird. Der Fehler vieler Eltern ist, daß sie nicht erkennen, daß ihre Kinder im Laufe der Jahre zu Jugendlichen heranwachsen und auch so behandelt werden möchten. Leider haben auch heute noch viele Eltern die Unart, ihre Sprößlinge mit Ausgehverbot und Taschengeldentzug zu bestrafen, so daß die gesteigerte Abhängigkeit von den Kindern als Unterdrückung empfunden wird. Karen Sliwa, 14 Jahre

*