Von Horst Bieber

Bonn

Schriftliche Frage des FDP-MdB Helga Schuchardt: "Ist der Bundesregierung bekannt, daß eine Anzahl von Personen wegen eines durch die Bundesanwaltschaft eingeleiteten und dann eingestellten Ermittlungsverfahrens gravierende private und berufliche Einbußen und Folgewirkungen zu erleiden hatten, und welche Maßnahmen gedenkt die Bundesregierung zu ergreifen, um diesen Personenkreis öffentlich zu rehabilitieren?"

Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesjustizministerium, Hans de With: "Der Bundesregierung sind derzeit weder von betroffenen noch von anderen Personen Fälle der von Ihnen angesprochenen Art mit dem Wunsch nach öffentlicher Rehabilitierung vorgelegt worden."

Das war am 23. Juni 1976, also vor dem Fall des abgehörten Atomwissenschaftlers Klaus Traube, den der Bonner Journalist Justus Müller (nennen wir ihn so) etwas beneidet: Traube bekam 33 000 Mark vom Bundesminister angewiesen; Justus Müller (auf den sich die Anfrage der FDP-Abgeordneten Schuchardt bezog) hat bis jetzt noch keinen Pfennig gesehen, vielmehr mehrere tausend Mark vergeblich für seine Rehabilitierung ausgegeben. Für ihn scheint es tatsächlich ein Fall ohne Ende zu werden (ZEIT Nr. 42/1975).

Der Fall: Ende Januar 1975 wurden Müllers Wohnung und Arbeitsplatz durchsucht, weil er im Verdacht stand, für die DDR spioniert zu haben. Müller gelang es, den Verdacht zu widerlegen; der Generalbundesanwalt stellte daraufhin am 18. März 1975 das Verfahren gegen ihn ein. Freilich – abgeschlossen war damit gar nichts: Denn "dummerweise wurde ich nicht verdächtigt, silberne Löffel geklaut zu haben".

Ein solcher Verdacht erledigt sich mit der Überführung des Diebes oder dem Wiederbefinden der Löffel; Müller kann weder auf das eine oder das andere hoffen. Im Gegenteil: Kaum war der Spionage-Verdacht gegen die Kanzleramtssekretärin Dagmar Kahlig-Scheffler bekannt geworden, setzten Unbekannte das Gerücht in Umlauf, sie sei mit Müller "eng liiert" gewesen; Müller hatte ihren Namen nie vorher gehört. "Die Wahrheit des Satzes, daß immer etwas hängenbleibt, erlebe ich jetzt am eigenen Leibe,"