Sofern sich das Publikum überhaupt noch für die strategischen Wirren in der Opposition interessiert, hat es von Helmut Kohl eine salomonische Auskunft erhalten. Es gilt unverändert ein Kurs des Sowohl-Als-auch: wenn möglich, mit der FDP; wenn nötig, ohne sie. Nach eigener Auskunft wandelt der CDU-Chef damit in seinen eigenen, unverwechselbaren Spuren – was nur heißen kann, daß er immer wieder von vorn anfängt oder im Kreis läuft.

Anscheinend befleißigt er sich des letzteren. Die Kreiselbewegungen der Opposition werden sogar so heftig, daß einige weggeschleudert werden. Dieses Schicksal traf beispielsweise den Unionsobmann im Verteidigungsausschuß, Konrad Kraske. Er hat dieses Amt aufgegeben, weil er, der eigenen Überzeugung und der ursprünglichen Fraktionsmehrheit folgend, im Ausschuß für den Verteidigungsetat plädierte, sich dann aber dem von der CSU herbeigeführten Sinneswandel beugen mußte und im Plenum wohl oder übel gegen Lebers Haushalt stimmte. Er hätte der Union vielleicht eine Annäherung an die Liberalen beschert, wenn sie den Verteidigungsetat trotz der Kritik an Leber angenommen hätten.

Kohl sieht richtig, daß eine Brücke zur FDP auch ein christdemokratisches Widerlager haben müßte. Strauß und seine Freunde hingegen buchstabieren Kohls Abc genau umgekehrt: wenn nötig, mit der FDP; wenn möglich, ohne sie.

Leute von so altmodischer Überzeugungstreue wie Konrad Kraske kommen da nicht mehr mit. Der langgediente CDU-Politiker zieht es vor, statt im Kreise geradeaus zu laufen – weg von seinem Amt in einer Opposition, in der Kohl ein wenig Brückenbau zur FDP betreibt, während andere den Graben vertiefen. C.-C. K.