München: "Otto Steinert – Der Initiator einer photographischen Bewegung"

Otto Steinert, bei Ferdinand Sauerbruch zum Dr. med. promoviert, seit 1948 jedoch praktizierender Photograph und Lehrer einer Klasse für Photographie, hat 1951 in Saarbrücken eine Ausstellung organisiert, die, so Steinert, "der erste große Versuch einer Klärung der gegenwärtigen Bestrebungen in der Photographie" war. Ihr Titel: "Subjektive Photographie." Mit diesem Begriff grenzte Steinert den Bereich gestaltender Photographie von dem lediglich abbildenden ab. Im Gegensatz zur Motivphotographie, wozu auch der Bildjournalismus gehörte, beruhte subjektive Photographie auf der Ansicht, "daß es nicht das Motiv ist, das die Bildwirkung auslöst, sondern das Gestaltungsvermögen des Photographen, der das Sujet erst zum Bild formt". Subjektive Photographie war also identisch mit der "darstellenden und absoluten photographischen Gestaltung" – der Gegenstand war Anlaß, seine Bearbeitung mit den Mitteln der Photographie das Ziel. Steinert griff dabei auf Verfahren zurück, die von der künstlerischen Avantgarde benutzt worden waren (Photogramm) und er aktivierte die der Technik inhärenten Darstellungsmöglichkeiten (Negativdruck). Die Aufnahmen Steinerts sind ein Rückblick auf eine bereits historische Bewegung, die Tradition und Innovation verbunden hat, eine Bewegung, der die Photographie wichtige Impulse verdankt. (Photomuseum im Münchner Stadtmuseum bis zum 17. Juli, Katalog 10 Mark) Helmut Schneider

Tübingen: "Frank Stella"

Don Judd und Frank Stella haben in einem Rundfunkinterview, gesendet Anfang 1964, ihre Unabhängigkeit von der Tradition der europäischen Moderne erklärt. Stella hat seine Malerei als "nicht-relational", also bestimmt durch Symmetrie, bezeichnet und der "relationalen", auf Gleichgewicht beruhenden Kunst eine Absage erteilt. Die in der Serie der "Schwarzen Gemälde" (1958/60) erstmals verwirklichte Malerei, bei der die Teile des Bildes sich wechselseitig entsprachen, war aber weniger eine Reaktion auf die verschiedenen Spielarten des europäischen Konstruktivismus, als auf den amerikanischen abstrakten Expressionismus – Stella antwortete auf dessen komplexe Bildordnung mit einer radikal vereinfachten. Das Interview wurde erst im Herbst 1966 publiziert und da war sein Statement bereits überholt, er malte gerade die Serie (Stella arbeitet immer in Serien) der "Irregulären Vielecke": die Bildstruktur war bestimmt durch eine asymmetrische Anordnung der Teile. Struktur und äußere Form des Gemäldes waren dabei identisch, die Leinwand hatte so viele Ecken wie die geometrische Komposition es notwendig machte. Die "shaped canvases" entsprachen genau Stellas Forderung, dem Betrachter die Bildidee ohne alle Verwirrung zu verdeutlichen. Mehr beabsichtigte er auch gar nicht: "Man sieht, was man sieht." Offensichtlich hat der Maler mit dieser simplen Feststellung die Interpreten provoziert. Im Katalog der Ausstellung, die in veränderter Form von der Kunsthalle Bielefeld übernommen ist (unter anderem fehlt das Beispiel aus der "Winkelmesser"-Serie, die mit riesigen Formaten beeindruckt), wird tiefschürfend erläutert, wie zu sehen ist, was zu sehen ist. So wird Kunst bedeutend. Noch so wohlmeindende Exegesen können jedoch die grellbunten Reliefs aus jüngster Zeit nicht schmackhaft machen. Das sind nun zwar wirkliche Objekte, Stella hat den Objektcharakter seiner Gemälde immer betont, aber wenig überzeugende, eine Mischung aus Neon-, Barock- und Bauzaun-Minimal, garniert mit Malgesten des Action Painting, (Kunsthalle, bis zum 24. Juli; Katalog 25 Mark) Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden: "Zum Beispiel Villa Romana, Florenz – Zur Kunstförderung in Deutschland I" (Staatliche Kunsthalle bis 17. August, Katalog 25 Mark)

Bremen: "René Auberjonois 1872–1957" (Kunsthalle bis 21. August, Katalog 15 Mark)