Er müsse, so sagte der Kommentator bei der Übertragung des Endspiels im Herreneinzel aus Wimbledon, wohl nicht die Punktezählung aus dem Englischen repetierend übersetzen, denn die, die hier zuschauten, kämen gewiß auch allein zurecht. Stimmt, denn zum Verständnis der paar englischen Zahlen, die der Schiedsrichter aufsagt, bedarf es nicht des Studiums der Anglistik. Und überhaupt ist der Ablauf eines Tennisspiels als Wettspiel sehr simpel und auch für den uneingeweihten Zuschauer rasch zu verstehen. Verblüffend und zunächst verwirrend ist an der Veranstaltung nur eins: daß die Punkte, die da gewonnen und verloren werden, nicht in der normalen Abfolge der Zahlwörter erscheinen, sondern daß, etwas zahlenaufwendig, „fünfzehn, dreißig, vierzig, Spiel“ gezählt wird. Und hier kommt nun ein deutsch-englischer Unterschied ins Spiel, der doch der Verwunderung wert ist. Wenn auf dem deutschen Tennisplatz ein Mensch einsam ohne einen gewonnenen Punkt dasteht, dann kriegt er eine Null zugewiesen, „null/fünfzehn“ heißt es also, wenn sein Gegenüber ihn zum erstenmal ausgetrickst hat. Im Englischen aber wird die gleiche Situation mit „love/fifteen“ geschildert. Wie kommt die Liebe auf den Tennisplatz? Sie ist der kurzgefaßte Rest einer englischen Redewendung, derzufolge „to do something for love“ soviel bedeutet wie: etwas umsonst und ohne auf Gewinn zu setzen tun. Nun kann, wer mit nichts dasteht, gut behaupten, er habe dem Gewinn entsagt, und als Jim Connors am Sonntag im fünften Satz gleich den ersten Matchball verlor, da hatte er zwar manche „love“ geerntet, insgesamt aber durchaus nicht für Nichts gespielt, sondern einige tausend Pfund verdient. Und der Schiedsrichter hatte in den dreiundeinviertel Spiel-Stunden der Liebe professionell so oft gedacht, wie bestimmt, in dreißig privaten Jahren nicht. Schade, daß sie auf dem Wege vom grünen Rasen zum roten Sandplatz zur Null geworden ist. P. K.